239 - Hofer in Wien


Ein vierter, Peter Wieland von Fassing, genannt Wastlmair, soll sich angeschlossen, aber, infolge unvorsichtiger Reden aufgespürt, schon in Kärnthen den Rückweg angetreten haben. 1)
Ende Januar kamen sie in Wien an. Ihr erster Gang war zu Steger, der zweite zu Hormayr. Jener führte sie noch am Abend ihrer Ankunft, da es schon dunkelte, zu demjenigen, der sie gerufen, Erzherzog Johann. Der Prinz bewohnte damals den unter dem Namen Amalienhof bekannten Trakt der kaiserlichen Burg. Eine vom Publikum wenig bemerkte „rückwärtige" Stiege gegen den Ballhausplatz führte zu Johanns Gemächern. Auf ihr konnten die drei Tiroler ohne Aufsehen zur Audienz kommen. Solche Vorsicht schien besonders geboten wegen „der seltenen, bärtigen und kräftigen Erscheinung Hofers", 2) der schon in der kleidsamen Nationaltracht seines Tales auf der Straße auffallen musste. Hormayr nahm daher dem Sandwirt das Wort ab, sich bei Tage nicht öffentlich sehen zu lassen. Der gute „Anderle" meinte freilich, das könne sich auf die Dämmerstunde, zu der man ihn auch in die Hofburg führte, nicht beziehen, und wagte kecklich einen Besuch der Abendvorstellung im Opernhause, wo er, der schmucke Passeirer, der so seltsamen Augen- und Ohrenweide genießen wollte. Das nicht alltägliche Erscheinen eines Passeirers im Kärntnertortheater wird dem Minister Stadion sogleich gemeldet, und dieser zitiert Hormayr und macht ihm Vorwürfe ob solcher Unvorsichtigkeit. Der Freiherr läuft ins Schauspielhaus und, um Hofer desto schneller herauszubekommen, lässt er ihm sagen, der Landsmann sei draußen wegen des Pferdehandels. Gemächlich trabt der Sandwirt hinaus und wird von Hormayr schnellstens abgeführt. Umsonst fragt er ungeduldig nach dem Pferdehändler, und leid tut es ihm, sein Geld, das ihm die Kasse schwerlich zurückgäbe, nicht absitzen zu können. Den Tadel seines Begleiters aber, dass er nicht fein zu Hause geblieben, pariert der Bärtige hurtig, zur Winterszeit seis zu solcher Stunde doch schon „stockrabenfinster". 3)

Während ihres sechstägigen Wiener Aufenthaltes hatten die Tiroler drei lange Unterredungen mit dem Erzherzog. 4) Die Bauern eröffneten

1) Ihn erwähnt nur Hormayr I, 187. Im bayerischen Verzeichnis der Kurpfuscher wird angeführt: „Peter Wieland, 56 Jahre, wohlhabender Bauer, übt in allen Fächern grosse Praxis aus, hat viel Zutrauen, ist ein weltberühmter Bauernkönig und gibt bei allen Verhandlungen den Ton an, nach dem das profanum vulgus gern sich fügt."
2) Worte des Erzherzogs in seinen Aufzeichnungen, die für unsere Erzählung Hauptquelle sind.
3) Diese köstliche Episode bei Hormayr 1, 209. Über Hofers Aufenthalt in Wien s. Tir. Stimmen 1900 Nr. 5.
4) So Johann, Hormayr spricht nur von einer Unterredung.



Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 239

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.