291 - Gefecht bei Lorenzen


Linie erhalten sollten. Schnellstens wurde die Weisung befolgt. 1) Wie sich dann die also gebildeten Kompagnien vor dem Kommandierenden stellten, gab er ihnen behufs seiner Rücken- und Flankendeckung die Bestimmung, mit einem Teil des Jägerbataillons über St. Oswald gegen das Luggautal, teilweise auch gegen die Zugänge des Kreuzberges sich zu verfügen. Denn Chasteler erwog die Möglichkeit, dass er auf dieser Seite durch die französische Armee in Italien bedroht werde. Daher wollte er in Sillian Nachrichten abwarten über den Erfolg der Operationen des Erzherzogs gegen die italienische Seite. Und noch eine Botschaft machte ihn stutzig, er vernahm von der Ansammlung feindlicher Heereskräfte um Brixen, welche das Gerücht bis auf 10000 Mann anwachsen ließ. Die Ermüdung der Truppen war daher ein gelegener Vorwand, stille zu stehen und den 11. April zu einem Rasttag zu bestimmen, während dessen ein Plan zur Umgehung der Mühlbacher Klause, wo man starken Widerstand erwartete, entworfen werden sollte. Die Avantgarde rückte bis Toblach. In Sillian zeigte Hormayr den gestrengen Herrn gegen den Richter, den er suspendierte und mit Zimmerarrest belegte. 2) Schlimm erging es dem bayrischen Kommissär Gummer, welcher gerade in Innichen mit der Inventuraufnahme des aufgehobenen Kollegiatstiftes beschäftigt war. Bei der Ankunft der Österreicher machte er sich auf die Flucht, entrann aber nur unter schweren Misshandlungen und Verlust seiner Amtsschriften nach Brixen. 3)

Die Beaufsichtigung von ganz Pustertal oblag dem bayrischen Oberleutnant Weller, der mit seiner Kompagnie und einigen Dragonern in Bruneck stand. Seine ostwärts vorgeschobenen Posten zogen sich mit Ausnahme derer, welche Kolb abgefangen, bei Zeiten zurück. Weller erkannte, dass auch ihm nichts anderes übrig bleibe. Er wollte aber dem Gegner das Nachrücken erschweren durch Abwerfung der Brücke bei Lorenzen. Schon am 9. April traf er hiezu Vorbereitungen. Wie das die Bauern sahen, drangen sie in ihn, er möge doch in Freundesland nicht solche Kosten verursachen, die Herstellung der zerstörten Brücke würde den ohnehin überbürdeten Gemeinden unerschwinglich sein. Unter heftigem Wortwechsel gab der Offizier zum Scheine nach. Als aber am folgenden Morgen die abziehende Truppe wirklich Hand anlegen wollte an die Brücke, sah sie sich von herbeistürmenden Bauern so wirksam attackiert, dass sie unter Zurücklassung eines Leutnants und von 12 Mann als Gefangenen

1) Pustertalische Gerichtsakten: Verrechnung von Diäten zu Konferenzen behufs Organisierung von Kompagnien vom 11. April an. J. St. In Bruneck leitete Fenner die Konferenzen. In seinem Reisejournal (M. St.) erwähnt Hormayr eine bereits tätige Schutzdeputation unter Pfarrer Paprion von Sillian als Vorsitzenden. (10. Apr.).
2) Bericht des Richters Christoph v. Kahler. M. K.
8) Brief eines Ungenannten (wahrscheinlich eines Kapuziners) an den Priester Jos. v. Lemmen. April 1809. J. M.



Quelle: Josef Hirn, Tirols Erhebung im Jahre 1809, Innsbruck 1909, S. 291

Rechtschreibung behutsam angepasst.
© digitale Version www.SAGEN.at, Wolfgang Morscher 2009.