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  Die Geschichte vom gnadenreichen Loretokindlein in Salzburg
 

von Teresa Kristan

Die Klosterkirche von St. Maria Loreto in Salzburg gilt als Gnadenort. Die Gemeinschaft der Kapuzinerinnen von der Ewigen Anbetung in Salzburg geht zurück auf den 1221 von Weltleuten gestifteten III.Orden. Die Geschichte des Salzburger Loretoklosters ist eng mit der Geschichte des Loretokindleins und seiner Verehrung verbunden. Seit über 300 Jahren pilgern Menschen zum Salzburger Loretokindlein. Viele Gebetserhörungen und Krankenheilungen stehen mit dem „Salzburger Kindl“ in Zusammenhang.

1650 kam das gnadenreiche Loretokindlein in die Klosterkirche der Kapuzinerinnen nach Salzburg. Es befand sich damals noch in einem kleinen Holzkästchen, dem „Stammhäuschen“ des Pater Chrysostomus. 1731 ist für das Gnadenkindlein in der Loretokirche ein eigener Altar errichtet worden. Zum Dank für die zahlreichen Gnadenerweise fand 1751 vom 19. bis 27. Juni ein großes Jubelfest statt in Erinnerung daran, dass sich das Kindlein bereits 100 Jahre in Salzburg befand.

Am 22. Juni 1851 kündeten 50 Kanonenschüsse von der Festung Hohensalzburg herab an, dass es sich um die zweite Jahrhundertfeier für das Kindlein handelte. Große Volksmengen sollen zum Fest herbeigeströmt sein. Bei den Feierlichkeiten erklang auch das Lied: „O kleines Kind, Du großer Gott, wir danken Dir von Herzen!“

Als Hauptfest des Gnadenkindleins gilt heute das Fest des heiligen Namens Jesu und wird alljährlich vom 1. bis 8. Jänner öffentlich in der Salzburger Loretokirche gefeiert.

Zusätzlich findet am 25. jeden Monats eine Jesukindandacht statt- zur Erinnerung an den Tag, an dem Gott „für uns ein Kind geworden“.

Um das Jahr 1620 erhielt Mutter Euphrasia Silberrath von Offenburg das Kindlein als Geschenk von einer Gräfin Oettingen. Vermutlich ist sie aufgrund der Flucht vor den Schweden 1662 nach Salzburg gekommen. Zuvor lebte sie im Kapuzinerkloster in Ensisheim im Elsaß. Dort kam sie in Kontakt mit Pater Chrysostomus, der Mitglied der Schweizer Kapuzinerprovinz war. Geboren war er 1581 im väterlichen Schloss zu Oberbüren (Kanton St.Gallen), das zur Landvogtei Thurgau gehörte. Er entstammte aus dem adeligen Geschlecht der Freiherrn Schenk von Castell. Schon früh war Pater Chrysostomus von dem Geheimnis von Bethlehem fasziniert gewesen. Der „Christkindl-Pater“ war es, der einst im Besitz des Salzburger Kindls war und dieses verehrte und sich darum sorgte, als hätte es Leben und Gefühl. Wegen seiner wundersam zarten und innigen Verehrung des Jesukindes wurde er bald der „Christkindlpater“ genannt.

Unzählige Male warf sich Pater Chrysostomus vor dem Jesukindlein auf die Knie nieder, um es anzubeten und zu loben. Er hatte für bestimmte Zeiten des Tages Gebete verfasst, um diese vor dem Kindlein zu beten. Einmal war es heruntergefallen und in viele Stücke zerbrochen- doch nach einer Danksagung von Pater Chrysostomus soll es wieder ganz geworden sein. Auch gibt es die Erzählung, dass Pater Chrysostomus 1625 eine Reise unternommen hatte und das Kindlein, welches er immer mit sich trug, bei einer Wanderung auf einen Stein aufprallte, als es aus seiner Kleidung fiel. Ein Bildhauer, der es reparieren sollte, bezeugte danach mit einem Eidschwur, dass das Kindlein durch das vertrauensvolle Gebet des Kapuziners sich selbst wieder herzustellen vermochte. Der Bildhauer war so beeindruckt von diesem Wunder, dass er in den Kapuzinerorden eintrat, nachdem er zuvor als Baumeister unter dem Namen Probus jahrelang Dienste geleistet hatte.

Von einem weiteren Sturz des Kindleins vom Fensterbrett durch einen Windstoß sieht man heute noch an der Figur feine Linien, obgleich es sich durch die Macht des Gebetes wieder selbst herzustellen vermochte. Pater Chrysostomus soll zuvor zum Jesukindlein gesagt haben: „Jesulein, Du hättest besser auf Dich achten sollen. Jetzt habe ich niemanden, der Deine anmutige Gestalt wieder ganz machen könnte. Wenn es Dir gefällt, mach Du nun selbst den Schaden wieder gut!“

Eines Tages verklagten die Mitbrüder Pater Chrysostomus, dass er durch die andauernde Fürsorge für das Kindlein die Ruhe des Klosters stören würde. Sie nahmen ihm das Kindlein ohne Vorwissen weg und brachten es nach Freiburg. Der Überlieferung nach soll es sich aber am nächsten Tag von selbst wieder beim Pater Chrysostomus eingefunden haben.

Am 25. November 1634 starb der „Christkindlpater“ im Rufe der Heiligkeit. Nach dem Tod von Pater Chrysostomus 1643 erhielt die geistliche Schwester M. Herbstheim das Jesukindlein. Sie behielt es bis zu ihrem Tode- danach kam es zurück an Mutter Euphrasia. Erst durch Hilfe einer Gräfin Lodron und des Erzbischofs Paris Lodron ist das Kindlein in seinem Stammhäuschen nach Salzburg gelangt. Mutter Euphrasia konnte sich noch 12 Jahre bis zu ihrem Tod an dem Loreto-Kindl erfreuen. Bereits in dieser Zeit begannen Wallfahrten zum Salzburger Loreto-Kloster und wunderbare Gebetserhörungen wurden im Volk bekannt.

Das gnadenreiche Loretokindlein von Salzburg ist aus Elfenbein kunstvoll geschnitzt worden. Ohne sein Postamentchen ist es in etwa zehn Zentimeter hoch. Anfänglich trug das Jesukindlein ein veilchenblaues Kleidchen, welches mit roten Bändern eingefasst war und mit einem weißen Halskragen abgeschlossen wurde. Zur besseren Aufbewahrung ließ Pater Chrysostomus ein Holzkästchen für das Jesukindlein anfertigen, das er mit roter Seide innen auskleidete und mit einem schiebbaren Schutzdeckel versah. Erst später als es bereits nach Salzburg gekommen war, ließ 1742 Maria Antonia Gräfin Schenk von Castell ein Aufbewahrungsschränklein aus Silber anfertigen mit reicher Vergoldung.

Aus Dankbarkeit fühlten sich hohe Persönlichkeiten einst verpflichtet, das Gnadenkind so zu bekleiden und schmücken. Fürstliche und adelige Bewunderer wetteiferten mit Schenkungen an das liebe kleine Jesukind. Ein Verzeichnis aus dem Jahre 1754 berichtet davon, dass Kaiserin Elisabeth mit eigener Hand dem Kindlein ein rotsamtenes, mit Perlen besticktes Kleidchen angefertigt hatte. Die Königin von Polen, die Kurfürstin Adelheid, die Herzogin von Sagan, die Fürstinnen von Lobkowitz, von Lamberg, von Schwarzenberg haben es mit kostbaren Kleinodien beschenkt. Auch adelige und klösterliche Stifte sandten ihm wertvolle Geschenke. Das Kindlein ist heute auf einem mit getriebenem vergoldeten Silber umkleideten und mit Perlen und Edelsteinen geschmückten Postament befestigt. Es trägt ein reich mit Perlen und Edelsteinen besetztes Kleidchen, das bis an den oberen Rand des Postaments reicht. Auf dem Kopf ein Krönlein und in der rechten Hand soll ein Zepter daran erinnern, dass das Kindlein Macht und Majestät besitzt und in Weisheit seine Taten vollbringt. In der linken Hand hält es ein Kreuz als Symbol für die unendliche Liebe.

Ob das Gnadenkindlein je bemalt gewesen ist, kann man heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. In alten Schriften ist überliefert, dass sein Haar einmal vergoldet gewesen ist und Mund und Äuglein sollen bemalt worden sein.Der Künstler der das Jesukindlein erschaffen hat, ist nicht bekannt.

In der Salzburger Klosterkirche direkt über dem Sakramentsaltar mit dem immerwährend ausgesetzten Allerheiligsten befindet sich der Jesuskindaltar. Hier thront das Loretokindl in einem 1731 eigens hergestellten prunkvollen Goldtabernakel.

Während der Öffnungszeiten wird das Gnadenkind an die Pforte zu den Besuchern gebracht, die es bereits erwarten, um den Segen zu erbitten und zu empfangen. Es besteht auch der Brauch, dass die Mutter Oberin täglich um 14h der ganzen Welt in alle vier Himmelsrichtungen mit dem Jesuskind den Segen sendet. Am späten Nachmittag wird es dann wieder zu den Anbetern in die Kirche zurückgebracht.

(Das Quellenmaterial zu dieser Arbeit ist mir freundlicherweise von den Schwestern des Salzburger-Loreto-Klosters zur Verfügung gestellt worden, die ihre Schriften im Eigenverlag herausgegeben haben.)

   
  © Teresa Kristan, 2013.