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  Wehrkirchen in Österreich
   
 

Einführung

Seit den ältesten Zeiten lag um die Kirche der Kirchhof, der fast immer auch als Begräbnisstätte diente. Um ihn von der profanen Welt abzuschließen und gegen Tiere und Unfug zu schützen, besaß er eine Einfriedung (mhd. vride), von der das Wort Friedhof eingefriedeter Raum kommt. Er stand unter besonderem Rechtsschutz (Asylplatz), diente den Dorfbewohnern zur Abhaltung gemeinsamer Beratungen, zu Gerichtssitzungen, als Sammelplatz der wehrfähigen Männer, ja sogar zur Abhaltung von Märkten. Es lag nahe, ihn auch als Zufluchtsstätte zu verwenden und ihn mit Wehreinrichtungen zu versehen. Solche Wehrkirchhöfe finden sich daher überall in den Ländern zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer, in besonderer Häufung in Mittel-und Süddeutschland, Niederösterreich, Steiermark, Kärnten, Slowenien und Siebenbürgen.

Vor dem Jahre 1000 treten auch die nach der Vertreibung der Magyaren im Zuge der Ostkolonisation gegründeten, von Adalbert Klaar "Kirchensiedlungen" genannten Dörfer auf, bei denen die Kirche zu Wehrzwecken erhöht über einer noch planlos angelegten Ortschaft lag. Aus der Zeit nach 1000 stammen die sogenannten Hausberge, von denen manche als Kirchhausberge keine Holzburg, sondern von Anfang an eine Kirche getragen haben. Alle diese Kirchen besaßen jedoch nur Gräben, Wälle, Zäune und Hecken als Befestigung, und erst später kommt es vor, dass auf die Wallkrone eine Mauer gesetzt wurde. Nach 1000 erscheinen auch die planmäßig angelegten Angerdörfer, deren Geschlossenheit noch durch Gräben, Wälle und Hecken erhöht wurde. Für die Verteidigung war aber nicht nur der Ortsring aus Graben, Wall, Zaun und Hecke wichtig, sondern auch die meist außerhalb des Ortes errichtete Kirche. Sie steht entweder an oder vor einem der beiden durch Falltore verschließbaren Ortseingänge oder am äußeren Dorfrand, mit dem Anger durch eine Quergasse verbunden und möglichst erhöht auf einer Geländeterrasse oder einem Berghang. Die Pfarrkirchen des 11. und 12. Jh. kann man sich kaum ohne die Nachbarschaft einer Burg vorstellen. Diese Kirchen und Burgen verdanken ihre Gründung dem Bistum, dem Landesherrn, Klöster meist aber dem im Dorf ansässigen Adelsgeschlecht. Es versteht sich von selbst, dass solche im Bereich einer Burg befindlichen Kirchhöfe mit jener gemeinsame Verteidigungsanlagen besaßen. Noch im Laufe des 13. Jh. sind Nachrichten über Wehrkirchen gering. Als es um und nach 1400 zur Gründung von Märkten und zu Stadterhebungen kam, war dies fast immer mit dem Bau einer neuen, größeren Kirche verbunden, die dann auch befestigt wurde.

Zu einem außerordentlichen Anwachsen der Wehrkirchen haben jedoch erst die Fehden des 15. Jh. und dann die langandauernde Gefahr der Türkeneinfalle geführt. In dieser Zeit entstanden die meisten Wehrkirchen Niederösterreichs, Steiermarks und Kärntens.

Das Kirchengebäude war von der umgebenden Ringmauer geschützt, konnte aber auch selbst mit Verteidigungseinrichtungen versehen sein. Beide Systeme sind unabhängig voneinander, und es war ein befestigtes Kirchengebäude wohl immer von einem Wehrkirchhof umgeben. Es konnte aber in einem Wehrkirchhof auch eine unbefestigte Kirche stehen. Dies ist bei unseren Wehrkirchhöfen meist der Fall, doch kann man nicht außer Acht lassen, dass die später nicht mehr notwendigen Befestigungselemente bei Umbauten entfernt worden sind.

Kirchhof, Kirche und Kirchturm dienten auch als Bergungsstätten. Das Vieh wurde bei Feindesgefahr meistens in die Wälder getrieben, es gab aber auch eigene, an den Kirchhof angeschlossene Viehhöfe zur Aufnahme des Viehes der Dorfbewohner.

zitiert nach Karl Kafka, Wehrkirchen Österreichs, 6 Bände, um 1970

 

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