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Das Bergwerk unter der Alpeiner Scharte - Molybdänbergbau.
Wolfgang Morscher

In dem aus Granit und Augengneisen aufgebauten türmereichen Felsgrat zwischen Fußstein (3380 m) und Schrammacher (3410 m) kerbt sich der schmale Einschnitt der Alpeiner Scharte (2960 m). Sie vermittelt einen hochalpinen Übergang vom Wipptal ins Zillertal. Unterhalb der Scharte, im Bereich des Südwestgrates des Alpeiner Schartenkopfes (Kote 3117 m) befindet sich die bedeutendste Molybdänkonzentration der Ostalpen. 1)

Valsertal, Blick auf die Alpeiner Scharte © Wolfgang Morscher

Valsertal, Tirol
© Wolfgang Morscher, 15. August 2001

Nach gründlichen Untersuchungen, die u. a. Oskar Schmidegg (Innsbruck) durchführte, wurde 1941 ein umfangreiches Bergbauprojekt begonnen. Die Geschichte dieses Vorhabens, das fast fertiggestellt nicht zur Produktionsaufnahme kam, ist typisch für die Vielzahl ähnlicher, in Mangelzeiten entstandener Absichten zur Verwertung einheimischer Bodenschätze. Sie erwiesen sich nach Normalisierung der Verhältnisse als unrentabel. Dennoch müssen wir den menschlichen Anstrengungen, Mühen und Gefahren einer Ganzjahresbaustelle in 2800 m Seehöhe unseren Respekt erweisen. 1)

Für den Molybdänbergbau unter der Alpeiner Scharte mußte eine Transportseilbahn errichtet werden. Diese hatte eine Länge von 4980 Meter. Sie führte über 13 Stützen bis zum Kuppenübergang bei der Hohen Kirche (2634 m) und dann mit neun weiteren Stützen bis zur Endstation beim Stollen (2783 m). Es war eine Umlaufseilbahn mit zwei Tragseilen (32 mm) und einem Zugseil (27 mm).

Bei der Geraer Hütte (2326 m, DAV Sektion Landshut) befanden sich die Baracken für die Mannschaften. Es handelte sich um Zwangsarbeiter, näheres ist leider kaum bekannt.

Die Arbeiter hatten einen täglichen Anmarsch von 1 1/2 Stunden von der Geraer Hütte, die vom DAV als Quartier gemietet wurde. Mitte Februar 1943 konnte südwestlich des Stollenmundloches eine "Stollensiedlung" für etwa 150 Personen angelegt werden. Am 11. November 1944 ereignete sich bei der Stollensiedlung ein Lawinenunglück (Staublawine), bei dem 16 Personen getötet und 23 Personen schwer verletzt (wovon 3 Personen später ihren Verletzungen erliegen), und 3 Personen vermisst wurden. 2)

Zur Versorgung der Betriebsstelle mit Verpflegung wurde eine Pioniermannschaft von 12 Mann mit Tragtieren eingesetzt, die ihren Standort im Gasthaus Touristenrast im Valsertal hatte.

 

Aufbereitungsanlage für das Hauwerk:

Ca. 300 m südöstlich des Gasthofes Touristenrast bei der Nockeralm (1391 m) wurde eine Aufbereitungsanlage für die Verarbeitung von 50 Tonnen Hauwerk pro Tag erbaut. Es war ein für das Valsertal ungewöhnlich großes Bauwerk, dessen Mauerreste noch bis 1989 standen.

Aufbereitungsanlage und Hauwerk Molybdänbergbau Alpeiner Scharte Valsertal in Bau © Gemeinde Vals, Tirol

Aufbereitungsanlage und Hauwerk Molybdänbergbau Alpeiner Scharte Valsertal in Bau
Aufnahme vermutlich um 1942
© Gemeinde Vals, Tirol

Der Komplex begann mit der Seilbahnstation (1423 m), von der das Material zur obersten Stufe (1418 m) gelangte. Auf dieser erfolgte mit Transport- und Lesebändern und Schüttelsieben die trockene Trennung des Materials. Die nächsttiefere Stufe (1411 m) war für die Naßmahlung und Klassierung eingerichtet. Darunter stand in der mittleren Stufe (1408 m) die Flotation (Schwimmaufbereitung). In der untersten Stufe standen Scheibenfilter und Berge-Eindicker zur Gewinnung des Erzkonzentrates. Für die Wasserversorgung wurde ein eigener Hochbehälter mit 60 m3 Inhalt in 1470 m Seehöhe gebaut und zur Speisung eine darüber liegende Quelle gefaßt. Die Baracken für die Unterkünfte sind verschwunden.

Von dieser Anlage führte die Transportseilbahn mit einer Länge von 4980 m zum Stollen.

Die Seilbahn wurde im Jahr 1946 abmontiert und fand ihre Verwendung beim Magnesitbergbau Tux. Die Seilbahnstützen vom Tal bis zur Hohen Kirche wurden ebenfalls anderwertig verwendet; jene der Hochregion für viele Jahre belassen. Die wertvolle Maschineneinrichtung der Aufbereitung ging an den Kupferbergbau Mitterberg. Vieles vom übrigen Material (Werkzeug, Kleinmotore, Kabel, Schalter usw. waren inzwischen gestohlen worden) kam 1946/1947 an die Kohlebergbaue in Häring und Wirtatobel. Darunter waren 3000 m Grubenschienen, 2300 m Preßluft- und Wasserleitungen, 6 Kompressoren, 11 Transformatoren, Pumpen, Bohrhämmer usw. 1)


Die Aufbereitungsanlage im Tiroler Valsertal wurde trotz zahlreicher Proteste im Jahr 1989 vom Österreichischen Bundesheer (= Militär) gesprengt und in der Wiese eingeebnet.

Damit wurde ein mahnendes Industriedenkmal auf bedauerliche Weise beseitigt.
Leider eine traurige Methode der Vergangenheitsbewältigung...

Frau Angelika Mair hat die Aufbereitungsanlage wenige Tage vor der Sprengung im Jahr 1989 fotographiert und stellt ihre Dokumentation dankenswerterweise für SAGEN.at zur Verfügung:

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol © Angelika Mair

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol
© Angelika Mair 1989

 

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol © Angelika Mair

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol
© Angelika Mair 1989

 

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol © Angelika Mair

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol
© Angelika Mair 1989

 

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol © Angelika Mair

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol
© Angelika Mair 1989

 

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol © Angelika Mair

Molybdän-Aufbereitungsanlage Valsertal, Tirol
© Angelika Mair 1989

 

Alpeiner Scharte © Thomas Weingärtner

Blick von der Alpeiner Scharte zu den Zillertaler Alpen
© Thomas Weingärtner

 

Bergwerk Alpeiner Scharte © Thomas Weingärtner

Mundloch des ehemaligen Bergwerkes Alpeiner Scharte
© Thomas Weingärtner

 

Luftbild der erhaltenen Mittelstation der Materialseilbahn zum Bergwerk Alpeiner Scharte © 2008 Geoimage Austria © 2008 Tele Atlas Google Earth

Luftbild der als Ruine erhaltenen Mittelstation der Materialseilbahn zum Bergwerk Alpeiner Scharte
© 2008 Geoimage Austria
© 2008 Tele Atlas
Google-Earth

Karte zum Molybdänbergbau im Valsertal, sowie den technischen Anlagen um 1942:
(Kartenansicht / Satellitenansicht / Geländeansicht)


Die rote Linie zeigt den Versorgungsweg über die Geraer Hütte, die blaue Linie den Verlauf der ehemaligen Materialseilbahn zum ehemaligen Molybdän-Aufbereitungswerk im Valser Tal.

 

Bergwerk Alpeiner Scharte © Martin Schönherr

Bergwerk Alpeiner Scharte, 2004
© Martin Schönherr, www.paschberg.blogspot.com

 

Bergwerk Alpeiner Scharte © Martin Schönherr

Bergwerk Alpeiner Scharte, 2004
© Martin Schönherr, www.paschberg.blogspot.com

 

Bergwerk Alpeiner Scharte © Martin Schönherr

Bergwerk Alpeiner Scharte, 2004
© Martin Schönherr, www.paschberg.blogspot.com

 

Bergwerk Alpeiner Scharte © Martin Schönherr

Bergwerk Alpeiner Scharte, 2004
© Martin Schönherr, www.paschberg.blogspot.com


Link: Zur Diskussion zum Thema in unserem Forum!

Das Molybdänbergwerk an der Alpeiner Scharte auf Retrofutur.org

Zusendung von Fotos und Unterlagen zum Bergwerk Alpeiner Scharte willkommen!

 

Quellen:
1) Herbert Kuntscher, Höhlen, Bergwerke, Heilquellen in Tirol und Vorarlberg, Berwang 1986, S. 149 - 153.
2) Johannes Breit, Der Molybdänbergbau unter der Alpeiner Scharte, 2007, S. 43 - 47.

© Wolfgang Morscher, www.SAGEN.at