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Alpenkunde im Mittelalter.
Von Professor Franz Ramsauer, 1915
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Das praktische Leben des Mittelalters war auf die Kenntnis der Alpen und Alpenländer vielfach angewiesen, die gleichzeitige Wissenschaft zog aber für die Alpenkunde daraus wenig Nutzen und nur spärlich fließen die Quellen für die Gebirgserschließung in der Literatur jener Zeiten, die zwischen dem Untergang des weströmischen Reiches und dem Beginn der großen Entdeckungsfahrten sowie der Reformation liegen.

Die ersten Aufschlüsse über die geographische Kenntnis der Alpen erhalten wir durch die Geschichtschreiber jener Völker, die das Alpengebiet am Ende des Altertums mit ihren Massen überschwemmen. Kassiodorius, der Geheimsekretär und Minister Theodorichs des Großen, Gregor von Tours und Fredegar, die ältesten Historiker der Franken, der Langobarde Paul Warnefried, der am Hofe des Königs Desiderius lebte und die kurze, aber ereignisreiche Geschichte seines Volkes uns überliefert hat, Jornandes, dem wir einen Auszug aus Kassidors Werken verdanken, Prokopios und Agathias, die gotischen Historiker, geben uns in den von ihnen geschilderten Kriegszügen Anhaltspunkte für die Alpenkunde des beginnenden Mittelalters. Freilich sind es meist nur topographische Angaben, die uns in den Schriften jener Autoren entgegentreten, ganz selten schwingt sich einer zu einer wirklichen geographischen Schilderung auf.

Kassiodorius, der in seine geschichtlichen Darstellungen manche kurze geographische Notiz einstreut, wobei er das Alpengebiet vielfach berührt, beschreibt Como und den Comer-See, Dieser hat, wie es im 4. Kapitel des II. Buches seiner Variae heißt, die Form einer Muschel, deren Umrisse von dem weißen Schaum der ans Ufer anschlagenden Wellen gezeichnet werden: ihn umgeben kranzförmig herrliche Gipfel hoher Berge und die von glänzenden Palästen geschmückten Gestade werden wie von einem Gürtel von dem ewigen Grün der Olivenhaine eingefaßt. Reichbelaubte Weinpflanzungen bedecken die Abhänge der Berge, deren Kämme von der Natur mit Kastanienwäldern wie mit krausem Lockhaar geziert sind. Schneeweiße Wasserfälle stürzen von den umgebenden Höhen in die Fläche des Sees. Die Lage der Stadt Como nennt Kassiodorius so schön, daß sie zur Lust geschaffen zu sein scheint. Der gelehrte Ostgote gibt auch eine Darstellung der Grenzverhältnisse in den heutigen bayerisch-tirolischen Alpen, wo zur Zeit Theodorichs der rätische Stamm der Breonen als Grenzwache die nördlichen Gebirgspässe, den Scharnitz- und Achenpaß, den Finstermünz- und Brennerpaß, sowie die Talsperre des Inn bei Kufstein zu schirmen hatte.

Gregor von Tours führt uns in seiner Geschichte der Franken in die Westalpen. Der Mont Genèvre und die ligurische Küstenstraße werden von den Langobarden und Sachsen bei ihren kriegerischen Unternehmungen gegen die Franken und Burgunder beschritten. Nach der Überwältigung der Langobarden brechen die Franken ihrerseits durch die befestigten Talpforten von Susa und Aosta nach Oberitalien vor. Auch nach Bilitio, dem heutigen Bellinzona, dem Luganer-See (lacus Ceresius) und ins Rhonetal am Fuß des Dent du Midi führt uns Gregor. Er erzählt von einem fürchterlichen Bergrutsch in dieser Gegend, der die Burg Tauretunum verschüttet habe, eine Katastrophe, die von einem gleichzeitigen Chronisten, dem Bischof Marius von Lausanne bestätigt wird. Fredegar weiß von dem plötzlichen Hervortreten einer heißen Quelle im Thuner-See zu berichten. Paul Warnefried macht uns mit den Namen von Burgen und Städten in dem heute noch an Schloßruinen überaus reichen Südtirol bekannt: Tesana, heute Deggiano am linken Ufer des Noce in der Val di Sole, Maletum, jetzt Malé, der Hauptort des genannten Tales; Sermiana, jetzt wohl Sirmian auf dem Mittelgebirge zwischen Meran und Bozen; Appianum, identisch mit Eppan, dem nachmals berühmten Grafensitz; Fagitana, jetzt Faedo; Cimbra, jetzt Cembra im Avisiotale; Vitianum, jetzt Bezzano bei Trient; Brentonicum, das heutige Brentonico am Ostabhang des Monte Baldo; Bolenes, das jetzige Bolano bei Rovereto, ferner einige Kastelle in der Valsugana finden sich in seiner Geschichte der Langobarden erwähnt. Auch in das Gebiet der Bajuwarier (Authari!), nach Kärnten und Krain, in die kottischen und ligurischen Alpen führt uns Warnefried. Ziemlich flüchtig ist die Schilderung des Hochgebirges bei Prokopios, dem Geheimsekretär des Belisar, während Jornandes wenigstens Land und Leute in den Alpengegenden ausführlicher behandelt. Ein Zeitgenosse Kassiodors, der Rheinländer Salvian, der zu Marseille ums Jahr 480 als Priester starb, hat uns in seiner Schrift „Über die göttliche Weltordnung“, in der er die Genußsucht und die Greuel des Heidentums geißelt, eine Notiz hinterlassen, woraus hervorgeht, daß man damals auch in den „wolkentragenden“ Alpen die wilden Tiere einfing, um sie bei den Tierhetzen zu verwenden und gegen Fechter kämpfen zu lassen; so roh sei die Sinnenlust des heidnischen Pöbels gewesen, daß das ganze Reich die Opfer habe liefern müssen.

Neben den Historikern des beginnenden Mittelalters haben wir für die Alpenkenntnis noch andere Quellen, nämlich die uns erhaltenen Biographien jener Männer, die in den Alpenländern das Christentum predigten. Die von Eugippius verfaßte Lebensbeschreibung des heiligen Severin, der in Noricum das Evangelium verkündete, führt uns in das Alpengebiet zu einer Zeit, als dasselbe von Odovakar erobert wurde. Die Tätigkeit des heiligen Valentin, des Apostels der Räter, von der wir wieder bei Eugippius, dann bei Benantius Fortunatus und bei Aribo hören, beschäftigt uns mit jenem Teil des Hochgebirges, den wir heute Algäu, Vorarlberg, Engadin und Vintschgau nennen. Aribo, Bischof von Freising, berichtet in seiner Biographie des heiligen Emeram von Gold-, Silber- und Eisengruben in den bajuwarischen Alpen, auch die Salzbergwerke in jenen Gegenden sind ihm nicht unbekannt. Er gedenkt auch der Gemsen, der Steinböcke, der Büffel im Gebirge und ergeht sich über Viehzucht und Alpenwirtschaft der Berggegenden. An der Hand ähnlicher Quellen, wie der Lebensbeschreibung des heiligen Lucius, Magnus, Rupertus, Virgil, Mangold, Gallus, Meinrad und Kolumbanus, die in verschiedenen Bezirken des Alpenlandes als Glaubensapostel auftraten, vermögen wir uns einigermaßen ein Bild von der Topographie der Alpengegenden in jener Zeit zu entwerfen; auch Gründungs- und Schenkungsurkunden des früheren Mittelalters bezeugen uns, daß damals nicht bloß eine große Anzahl von heute noch bestehenden Ortschaften der österreichischen und bayerischen Alpen, der Schweiz und des Westalpengebietes vorhanden war, sondern auch daß in der bezeichneten Zeit im großen und ganzen die Bodenkultur und Bauernwirtschaft ebenso bestanden haben wie heute.

Suchen wir in der Literatur jener Zeiten, wo die sächsischen, fränkischen und hohenstaufischen Kaiser über die Alpen nach Rom zogen oder noch weiter im Süden gegen die Normannen und Sarazenen stritten, wo fromme Pilger und tapfere Kreuzfahrer über die Gebirgspässe den italienischen Hafenstädten zueilten, um nach Palästina zu gelangen, so finden wir über das Alpenland im ganzen recht spärlich fließende Auskünfte, wie denn die geographische Wissenschaft zu Beginn des Mittelalters und in dessen späteren Abschnitten überhaupt bedenkliche Rückschritte aufzuweisen hat. Allein das praktische Leben sowie die politischen und merkantilen Verhältnisse schufen Mittel, daß das Alpenland den näher und auch ferner davon Wohnenden keine unbekannte Erdgegend blieb. Die Besitzergreifung der den kleineren und größeren Herren zugefallenen Länderstriche mußte auch dort zu Vermessungen und topographischen Aufnahmen führen.

Die Regesten der deutschen Könige, die für die Geschichte des Mittelalters die Hauptquellen sind, die annalistischen und urkundlichen Nachrichten dieser Zeit liefern uns gleich den Autoren des werdenden Mittelalters nur einseitig topographische Anhaltspunkte. Sie nennen Burgen und Schlösser, Klöster und Stifte, nirgends finden sich indes Nachrichten von jenen Bergzügen, die sich über die Linie des ewigen Schnees erheben, selbst die Kulminationspunkte breiter Gebirgsmasse, wie Montblanc, Ortler, Zugspitze sind den Autoren dieses Zeitalters unbekannt. Mancherlei Einzelheiten über die Alpenpassagen deutscher Fürsten aus der Zeit bis zum elften Jahrhundert finden sich in den Schriften des gelehrten Gerbert, nachmals Papstes Silvesters II., der als Lehrer Ottos III. mit diesem wiederholt nach Italien gezogen, ferner in der Chronik des Hermann Kontraktus, der 1054 als Mönch des Klosters Reichenau starb, und in dem Geschichtswerk des Lambertus, der die Ereignisse des vielbewegten Zeitalters Heinrichs IV., insbesondere dessen mühevollen Zug über den Mont Lenis nach Kanossa schildert. Daraus, entnehmen wir, daß die Königin Berta und ihr Gefolge auf Ochsenhäute gesetzt und von „Wegweisern“ über die tiefbeschneiten Hänge hinabgezogen wurde.

Die Truppenmassen, die Friedrich Barbarossa nach Italien folgten, überschritten das Hochgebirge auf dem Brenner, dem Lukmanier, dem Septimer, dem Splügen, dem Großen St. Bernhard, dem Mont Cenis und vielleicht auch auf dem St. Gotthard. Gleichwohl ist die Ausbeute für die alpine Geographie aus der Literatur des zwölften Jahrhunderts, das auch die Romfahrten Heinrichs V., Lothars II., Konrads III. und Heinrichs VI. sowie den zweiten und dritten Kreuzzug gesehen, überaus dürftig. Von den Historikern des zwölften Jahrhunderts besitzt Otto von Freising, der vielgereiste Bischof aus fürstlichem  Geblüt, der  mit Konrad III. den dritten Kreuzzug mitmachte, von den Gebirgsgegenden manch irrtümliche Vorstellung. Seine geographischen Anschauungen bewegen sich überhaupt noch auf dem wissenschaftlichen Standpunkt des fünften Säculums, speziell des Orosius, seines Hauptgewährsmannes in geographischen Dingen. Den Septimer, über den Konrad III. im Jahre 1128 nach Italien ging, bezeichnet Otto von Freising als ,,Pyrenaeum iugum Septimi montis“, wo Rhein und Inn entspringen. Er bietet auch eine flüchtige Beschreibung der zu Barbarossas Zeit berüchtigten Veroneser Klause. Poetisch verherrlicht ist dieser Engpaß von einem andern Zeitgenossen des großen Kaisers, von Günther dem Liguriner. Es klingt wie die Erzählung von Selbsterlebtem, wenn Günther die peinliche Lage des Kaisers an der Veroneser Klause zeichnet: Die in die Wolken hineinragenden Alpen mit dem schmalen Durchlaß, mit dem in der Tiefe brausenden Strom, die verrufene Felsenklamm, in der sich nur Mann für Mann vorwärts bewegen konnte, wo von der Höhe herab ein einziger durch das Hinabrollen von Steinblöcken ganze Heersäulen aufzuhalten vermochte. Wahrscheinlich hat Günther die gefahrvollen Stunden mit Barbarossa geteilt, als dieser im Jahre 1154 vor dem gefürchteten Engpaß ratlos stand, bis ihm Otto von Wittelsbach den Weg   bahnte.

Der alpinen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts sind auch einzelne Reiseberichte von Pilgern zuzurechnen, die gleich den antiken Itinerarien meist nur die Namen der an den Alpenstraßen gelegenen Stationen angeben. Dies ist namentlich der Fall in dem Reisebericht des Abtes Nikolaus von Thingör auf Island, der um die Mitte des 12. Säkulums über den Großen St. Bernhard nach Rom zog, und in der Zusammenstellung von Reiserechnungen des Wolfger von Ellenbrechtskirchen, Bischofs von Passau und Patriarchen von Aquileja, der zu seiner Zeit vielfach mit politischen Missionen betraut wurde. Letzteres Dokument, das 1874 zu Cividale in Friaul gefunden wurde, enthält das ausführlichste Itinerar für die Verbindung Venetiens mit dem österreichischen Donautiefland. Weitere Reiseberichte schrieben der niederländische Mönch Emo von Werum und der Abt Albert von Stade, der im Jahre 1236 von Lyon über den Mont Cenis nach Turin reiste und auch das Pustertal sowie die Valsugana und den St. Gotthard kennt. Das Reisen wurde erleichtert und gefördert durch die allenthalben im Alpengebiet ins Leben gerufenen Klöster und Hospize. Wie am Athos, im Kaukasus, am cyprischen und musischen Olymp Klöster entstanden, so war auch das lateinische Abendland in dieser Beziehung nicht zurückgeblieben; insbesondere vermochten die Alpen infolge ihrer Stille, Abgeschiedenheit und der großartigen Erscheinungen des Landes zu philosophischen und religiösen Betrachtungen und zur Weltflucht geeignet erscheinen. In jener Zeit, wo zwischen den Päpsten und den deutschen Königen der Investiturstreit ausgefochten wurde, besaßen das einsame Disentis, dann Benediktbeuren, Fischbachau, Tegernsee, Berchtesgaden, im Osten des Alpenlandes Sekkau, Gurk, Lavant, Laibach, St. Lamprecht, Admont, Lack im Westen Embrun, Moutiers en Tarentaise, Lausanne, in der Nordschweiz Engelberg, St. Gallen und Einsiedeln als Ausstrahlungspunkte und Asyle der Kultur sowie durch Grundbesitz im Alpenland Bedeutung. In St. Gallen oder auch in Reichenau kehrten die Reisenden, die über den Splügen zogen, ein; hier trafen sich Wanderer aus dem fernsten Süden und dem entlegensten Norden. Nach den Annalen der Bischöfe von Lausanne waren schon im 9. Jahrhundert auf dem Großen St. Bernhard und auf dem Mont Cenis Hospize errichtet worden, wahrscheinlich von Ludwig dem Frommen. Das Hospiz auf dem St. Gotthard stammt aus dem 13. Jahrhundert, die Chartreuse erhob sich als vorgeschobener Posten der Kultur schon im Jahre 1084 in den Felswüsten der Dauphine. Der Mont Genèvre erhielt 1340 durch die Stiftung eines Grafen von Briançon ein Hospiz, der Arlberg 1386, indem Heinrich „der Findling“ die St. Christoph-Bruderschaft gründete und aus Mitleid mit den „armen Reisenden“ eine Zufluchtstätte schuf. Für den Semmering, den namentlich Kreuzfahrer beschritten, ward im 12. Jahrhundert in der gleichen Weise von dem Markgrafen Otto IV. von Steiermark gesorgt; im Ampezzotale war „Spiteli“, das jetzige Ospedale, eine bekannte Pilgerherberge, wo Schmuggler und Wilderer ohne Zahl verkehrten und Kaiser Maximilians I. Landsknechte zechten. Die Alpenwege freilich bestanden bis ins 17. Jahrhundert fast ohne Ausnahme aus Saumpfaden, die oft für Menschen und Tiere gefährlich waren, und erst in später Zeit, namentlich in der Ära Napoleons, in fahrbare Straßen umgewandelt wurden. Die Wägen mußten auseinander genommen und auf dem Rücken von Saumtieren über das Gebirge geschafft werden. Der Kuntersweg südlich von Klausen an der Brennerpassage, die mittelalterliche „Kaiserstraße“, verdankt seine Entstehung dem 14. Jahrhundert; ein Bozener Bürger baute ihn und belegte ihn mit seinem Namen. Im 15. Jahrhundert wurde das Trou de la Traversette in dem nahe am Monte Viso vorüberführenden Übergang von Mont Dauphin im Durancetal nach Saluzzo im Potal 400 Meter lang durch den Felsen gehauen. Um 1470 wurde die Via Mala durch die Rheinenge oberhalb Thusis angelegt, zu Ende des genannten Jahrhunderts die (alte) Kesselbergstraße erbaut.

Das 14. Jahrhundert bietet uns eine Notiz, die wohl wert ist, von der Geschichte der Gebirgskunde beachtet zu werden. Dies ist der Bericht (Abgedruckt in les ascensions célèbres par Zurcher et Margole, Paris 1879, Seite 269) des italienischen Dichters Francesco Petrarca an den Kardinal Colonna über seine Besteigung des Mont Ventoux bei Orange. Dieser Berg ist freilich nur ein Vorberg der Westalpen, muß aber infolge seiner schroffen Abstürze und seiner nicht unbedeutenden Höhe (1912 m) ein für jene Zeit respektables Versuchsobjekt genannt werden. Der Dichter erreichte mit seinem Bruder nach vielen Mühseligkeiten doch schließlich den Gipfel. Der ungeheure Horizont, der sich vor ihren Blicken auftat, raubte ihnen für einige Augenblicke die Besinnung.  Die schneebedeckten Hochalpen erschienen ganz nahe, die Gebirge bei Lyon sowie das Meer bei Marseille waren wohl zu erkennen; die Rhone strömte sozusagen senkrecht unter den Bergsteigern dahin. Nie sahen sie ein großartigeres und mannigfaltigeres Bild. Dies führte den bekanntlich zu religiöser Schwärmerei neigenden Dichter sogar zu ernsten Gedanken. Er zog die Konfessionen des heiligen Augustin, die er stets bei sich trug, aus der Tasche und der Zufall wollte es, daß er jene Stelle im zweiten Buche aufschlug, wo es heißt: „Die Menschen schauen voll Bewunderung die Gipfel der Berge und die Wogen des Meeres und die Wasser der Ströme und die Bahnen, welche die Gestirne beschreiben.“ Diese Betrachtungen hielten auch noch während des Abstieges an und wiederholt äußerte der Dichter: „Wenn ich schon soviele Mühe darauf verwendet habe, meinen Leib ein ganz klein wenig dem Himmel näher zu bringen, wie sollte ich nicht alles tun, um meine Seele dahin gelangen zu lassen?“ Bei dem Ausflug auf den Mont Ventoux zeigte sich Petrarca noch ganz als ein Kind seiner Zeit; statt nüchterner Beobachtung tritt uns hochgradige Gefühlsschwärmerei entgegen.

Trotz des wissenschaftlichen Aufschwunges, der das 15. Jahrhundert auszeichnet, stehen wir in der alpinen Literatur noch immer vor bedenklichen Lücken; das geographische Interesse hatte sich weit mehr jenen gewaltigen Unternehmungen der Mittelmeerstaaten zugewendet, die ferne Erdteile erschlossen.

Überwiegend im maritimen Interesse ist denn auch die Menge der Erdkarten gefertigt, die in Spanien und Portugal sowie in Italien während des 15. Jahrhunderts entstanden. Unser Alpenland spielt darauf eine mehr oder minder bescheidene Rolle. Weltkarten aus früherer Zeit verdanken meist klösterlichem Fleiße ihre Entstehung und wurden zum Teil erst im 19. Jahrhundert entdeckt. Auf diesen kindlich-rohen Versuchen sind die Alpen entweder nur durch Namen, durch balken- oder sägeartige Striche oder auch durch abenteuerliche Figuren verzeichnet. Ein Machwerk dieser Art ist die Tabula Peutingeriana, die im  13. Jahrhundert ein Mönch  an der Hand eines schon zur Zeit des Kaisers Alexander Severus (230 nach Chr.) verfertigten Originals, das verloren ging, zeichnete. Auf der aus dem Jahre 776 stammenden Beatuskarte sowie auf der um das Jahr 1280 gemalten Ebstorfer Klosterkarte sind die Alpen gleichfalls nur durch Linien angedeutet; ein geringerer Fortschritt zeigt sich in den verschiedenen Kopien der Ptolemäus-Karten, besonders in jener, die 1478 zu Rom gedruckt und von Nordenskiöld in seinem Faksimile-Atlas (Stockholm 1889) reproduziert worden ist. Scharf markiert, aber zu klein und zu weit nach Norden verschoben sehen wir die Alpen auf der katalanischen Weltkarte des Jahres 1375. Auf der einfachen Karte des Venetianers Andrea Bianco aus dem Jahre 1436 sowie auf dem bewundertsten Kartenbild des 15. Jahrhunderts, der Mappa mundi des Venezianers Fra Mauro, ist zwar der Zug der Alpen im allgemeinen richtig gezeichnet, doch ist auf die Darstellung des Gebirges in kartographischer Beziehung wenig Sorgfalt verwendet; unvollständig und zu wenig übersichtlich zeigt die 1491 veröffentlichte Karte des Nikolaus Cusanus das Alpengebiet. Mehr Wert besitzt die Schweizer Landtafel des Konrad Türst, die 1495 entworfen wurde. Sie zeigt die Berge in Seitenansicht mit teils dreieckigen, teils gerundeten Umrissen. Die Teilbezeichnungen der Alpen sind hier meist noch die antiken, so Alpes Greij, Adula, Alpes Leopontii doch finden sich auch einige neue Bergnamen wie Krispalt (beim St. Gotthard) (Näheres über Alpenkarten früherer Zeiten, siehe Zeitschrift des D. u. Ö. Alpenvereins, Jahrgang 1901: E. Oberhummer, Die Entstehung der Alpenkarten). Mit besonderer Sorgfalt sind auf ihr die Gebirgspässe gezeichnet.

Die Pilgerfahrten aus dem europäischen Norden nach Rom und dem Orient dauern auch zu Ende des Mittelalters fort. Auch der zunehmende Handelsverkehr mit den oberitalienischen Handelsstaaten bringt mehr Nordländer über die Alpen nach Südeuropa als umgekehrt. Gleichwohl kommt auch aus Italien eine große Anzahl hoher und niederer Personen in das Hochgebirge oder über dieses, wenn bei kirchlich-politischen Ereignissen, wie bei den Konzilien zu Konstanz und Basel, der Vereinigungspunkt nördlich der Alpen lag. Die Erschließung derselben muß hiedurch ohne Zweifel gefördert worden sein, doch werden in den Beschreibungen der Pilgerreisen der von Norden über die Alpen ziehenden die Berge nur knapp behandelt. Eine um so wichtigere Fundgrube für die Alpenkunde des ausgehenden Mittelalters ist der Reisebericht des Ulmer Predigermönches Felix Fabri, der in den Jahren 1480 und 1483 den Orient besuchte und namentlich in seiner Schilderung der zweiten Reise den Hin- und Rückweg durch die Alpen mit lebensvoller Ausführlichkeit beschreibt. Seine beiden Pilgerfahrten nach dem Morgenland führen uns durch einen Teil unseres Hochgebirges, der in der Gegenwart zu den schönsten und besuchtesten zahlt: von der Lechenge bei Füssen über den Fernpaß ins Inntal, von da über den Brenner ins Etschtal und von Trient durch die Valsugana nach Venedig. Die zweite Rückreise ging von der Küste der Adria ins Piavetal und durch die wundersame Bergwelt der Cadorischen und Ampezzaner Dolomiten nach dem Pustertal und von dort wieder über den Brenner nach dem Schwabenland. Fabri schildert die Gebirgslandschaft, das Wetter, die Menschen der verschiedenen Stände, die Klöster, Dörfer und Städte, die Reisequartiere und auch die erlebten Abenteuer.

In die Darstellung der zweiten Rückfahrt ist auch ein naturwissenschaftlicher Exkurs über das Alpengebirge eingeflochten, das der Verfasser nur als einen Zweig jener großen Bodenerhebung betrachtet, die sich vom Mittelmeer bis zum Schwarzen Meer und vom Kaukasus bis nach Indien erstreckt. Er behandelt dabei auch die Frage der Entstehung der Gebirge: „Aus vielerlei Ursachen, durch Überschwemmungen, Winde und Erdbeben, durch das Hervorbrechen von Wassern aus der Erde sowie durch Korrosion sind Berge und Täler entstanden. Und wie sie nicht auf einmal, sondern in langen Zeiträumen sich so gebildet haben, wie wir sie jetzt sehen, so werden sie auch nicht auf einmal, sondern nur ganz allmählich untergehen. Felsen, die seit tausend Jahren einzustürzen drohen, halten noch zusammen; das wissen diejenigen, die oft über die Alpen wandern, und noch besser jene, die im Gebirge wohnen. Oft entsteht durch den Einsturz gewaltiger Felsmassen ein solches Getöse, daß man glaubt, das Weltende sei gekommen. In den Tälern liegen mächtige Felsblöcke und auf den höchsten Gipfeln gewahrt man Lücken und Höhlungen, von denen jene herabgefallen sind. Die Alpen oder, wie einige schreiben, Alben, heißen nicht allein wegen der blendend weißen Farbe des Schnees so, gleich dem Kaukasus, der in der Sprache der Orientalen soviel etwa wie Glanz bedeutet, sondern auch deshalb, weil viele der nackten Felsgipfel von der Sonne gebleicht sind und wie Schnee leuchten. Und obwohl die ganze Bergreihe „Alpen“ genannt wird, so haben die einzelnen Erhebungen von den Anwohnern doch noch besondere Namen erhalten. So heißt ein hoher und schroffer Berg „Wetrach“, weil er vor allen von den Wettern heimgesucht wird (Wetterstein), gleichwie ein kaukasischer Bergzug von den auf seine Höhen häufig niederfahrenden Blitzen „Montes Aeroceraunii“ genannt wird. Obgleich die Alpenberge selbst furchtbar und starrend von der Kälte des Schnees oder vom Sonnenbrande erscheinen und bis zu den Wolken sich erheben, so sind doch die Täler an ihrem Fuß anmutig, fruchtbar und reich an allen Genüssen der Erde. Es leben da Menschen und Vieh in größter Menge und fast alle Metalle, namentlich Silber, werden in den Alpen gewonnen. Die Natur entfaltet solch blühende Pracht, als wenn Venus, Bacchus und Ceres dort ihren Thron aufgeschlagen hätten. Nie würde ein Mensch, der die Alpen aus der Ferne sieht, glauben, daß daselbst wollustatmende Paradiese unter ewigem Schnee zu treffen sind“. (Die Evagatorien, d. i. Reisebeschreibungen Fabris, dessen Heimat Zürich und dessen deutscher Name Schmidt gewesen, in zu seiner Zeit üblichem Mönchslatein verfaßt, liegen im Original in der Ulmer Stadtbibliothek und sind zuerst von Haßler in der Bibliothek des literarischen Vereins zu Stuttgart 1853 veröffentlicht worden. Siehe Mitteilungen des D. u. Ö. Alpenvereins 1886, Seite 75 und 88: Eine Alpenreise vor 400 Jahren, von Ruith).

Um dieselbe Zeit verfaßte Albert von Bonstetten, Kapitelsherr zu Einsiedeln in der Schweiz, die älteste bekannte Schilderung seiner Heimat und ihrer Bewohner. Diesem dem König Ludwig XI. von Frankreich gewidmeten Buch sind vier äußerst rohe Kartenbilder beigegeben, auf denen das Land der Eidgenossen als das Herz Europas erscheint. Den Mittelpunkt des Eidgenossengebietes bildet hinwiederum die Rigi, die hier zum erstenmal unter dem Namen „regina montium“ vorkommt.

Hier muß eines Mannes gedacht werden, dessen in der wissenschaftlichen Erdkunde bahnbrechendes Werk „Italia illustrata“, an der Wende von Mittelalter und Neuzeit herausgegeben wurde, des Humanisten Flavio Biondo aus Forli (1388 - 1463). Biondo, dessen Schrift freilich noch teilweise in archäologisches Gewand gehüllt ist und sich enge an Plinius anschließt, leitet den Namen der Alpen, die ihm gleich den alten römischen Autoren als eine Schutzmauer Italiens erscheinen, von einem keltischen Appellativum ab, das „Fels“ bedeutet; er kennt sämtliche lombardischen Seen und deren Uferorte, er führt uns in die Täler der Dora Baltea, des Ticino, der Adda, des Oglio und Mincio, der Etsch, der Brenta, des Piave, des Sile und des Tagliamento. Er schildert Bozen und Meran, von welcher Stadt er sagt, daß sie nach Sprache und Sitte mehr deutsch als italienisch sei: Riva habe seinen Namen von den in den Langobardenkämpfen geflossenen Strömen (rivi) Blutes. Der vielgereiste Italiener kennt auch die an dem Südabfall der Seealpen befindlichen Orte griechischen oder römischen Ursprungs, Ventimiglia (Albintimilium) Mentone (Mentonum), Turbia (Tropäum Augusti), Monaco (Portus Herculis Monoici), Nizza (Nicaea): er führt uns nach einzelnen Hospizen in den Alpen, so nach der Domus St. Bernhardt auf dem Mons Jovis, dem Großen St. Bernhard. Der Po hat seine Quelle am Mons Vesulus (Monte Viso), wo der Apennin vom Alpenzuge abzweigt. In der Nähe des Kastells Tabia (Taggia) wächst ein Wein, der nach dem Urteil von Kennern weder dem von Kreta oder Cypern noch dem von Falernum an Güte nachsteht. Meistens gibt Biondo auch einen kurzen geschichtlichen Überblick über die von ihm  erwähnten  Städte  und  Länder. (Flavio Biondo, Italia illustrata, erste Ausgabe 1474, Rom. Eine weitere Ausgabe 1531, officina Frobeniana, Basel. Über Biondo vergl. Hußleins Programm des Kgl. Alten Gymnasiums zu Würzburg 1901.)

Im 15. Jahrhundert sehen wir die Alpenländer auch durch kriegerische Ereignisse in einer Weise belebt, die für die geographische Erschließung derselben nur förderlich sein konnte. Bei Beginn des Säkulums enden die Romzüge der deutschen Könige mit der erfolglosen Unternehmung Ruprechts von der Pfalz, dann widerhallen die Täler und Höhen des Gebirges in einer langen Reihe von Kämpfen von Waffenlärm. Nordtirol bildet neben Niederbayern den Schauplatz des Landshuter Erbfolgekrieges, Südtirol, Kärnten, Krain und Friaul sehen die Durchzüge und Treffen der venetianischen Kriegsmacht gegen Österreich. Die Schweizer, Savoyen, Mailand, Frankreich, die geistlichen Fürsten des Alpengebietes, die Städte des Schwäbischen Bundes und Kaiser Maximilian setzen ihre Streitkräfte nach verschiedenen Richtungen im Alpenlande in Bewegung. Infolgedessen ist auch die Zeitgeschichte zugleich wieder die Quelle für alpine Topographie. Comines, der Begleiter Karls VIII. von Frankreich, auf dessen Zug nach Neapel, schildert den Alpenübergang des französischen Heeres (1495) von Lyon über Grenoble und den Mont Genèvre. Willibald Pirkheimer, der gelehrte Nürnberger Patrizier und Herausgeber der Geographie des Ptolemäus Claudius, führt uns als Oberst der Nürnberger Veteranen während des wenig ruhmvollen Feldzuges gegen die Eidgenossen 1499 ins Engadin und über die Schneewüsten des Hochgebirges ins Veltlin und in den Vintschgau. Maximilian I. schrieb auf dem Schlosse Siegmundsburg in der romantischen Einsamkeit am grünen Fernsteinsee sein Buch über die Befestigung Tirols; daß die Jagd auf das Hochwild  der  Alpen  fürstliche  Passion  gewesen, zeigt des Kaisers Abenteuer an der Martinswand bei Zirl.

Die Araber, die im Mittelalter in der Geschichte der Erdkunde bedeutsam hervortraten, weisen in ihrer geographischen Literatur in betreff der Alpen wenig Wissen auf. Die dem 12. Jahrhundert entstammende Reisekarte des Edrisi ist ein wahrer Irrgarten inbezug auf das Alpengebiet; während Ibn Batuta den Orient bereist, den Adamspik auf Ceylon erklimmt und die Gebirge des Morgenlandes begeistert schildert, beschränkt sich sein Zeitgenosse Abulfeda, der berühmteste arabische Geograph des 14. Jahrhunderts, über unser Hochgebirge auf folgende Worte: „Im nördlichen Deutschland befindet sich das kroatische Gebirge, das an die Berge der Lombardei und Slawoniens grenzt. Dieses Gebirge ist mit Schlössern und Festungen besät und eine Menge von Flüssen entsteht darin.“

Das Mittelalter war auch Zeuge einer Reihe von Bergstürzen. Außer jenem von Gregor von Tours erwähnten Bergrutsch in der Gegend des Genfersees, wo unter König Chlothar 563 vom Mons validus Tauretunensis in Wallis gewaltige Felsmassen abbrachen, die das Schloß Tauretunum und mehrere Dörfer begruben und eine ausgedehnte Überschwemmung verursachten, sind merkwürdig die sogenannten Slavini di San Marco in der Nähe von Rovereto, die im Jahre 883 nach einer Fuldaer Chronik die alte Stadt Lagaris verschütteten. Diesen Bergsturz schildert der Dichter der Göttlichen Komödie, Dante. Er lieferte ihm die Vorlage, den fürchterlichen Charakter eines der schauerlichsten Teile des Inferno zu versinnbildlichen. Noch jetzt sieht man südlich von genannter Stadt im Etschtal in wirrer Unordnung gewaltige Massen von Felstrümmern übereinander aufgetürmt oder ausgebreitet, ein Bild grausiger Zerstörung, das gegen den fruchtbaren und reichbebauten Talgrund in der auffallendsten Weise absticht. Im Jahre 1248 wurden in der Umgebung von Chambéry am Fuß des Mont Granier vier Dörfer unter Kalksteinblöcken begraben, am 25. Jan. 1348 riß sich vom Dobratsch in Kärnten eine ungeheure Erdmasse infolge eines Erdbebens los, das sich nach dem Bericht einer venetianischen Chronik aus dem Jahre 1607 im ganzen Alpenland zwischen Wien und Basel fühlbar machte.

Wie in den Pyrenäen und in den deutschen Mittelgebirgen die Heilquellen sich schon frühzeitig eines lebhaften Besuches erfreuten, so blühten auch in den Alpengegenden in den letzten Zeiten des Mittelalters die Kurorte und Bäder auf. In Pfäfers in der Schweiz wurden die Thermen im Jahre 1038 entdeckt und 1242 das erste Badehaus errichtet. Baden in Niederösterreich, das als Aquae Pannonicae schon im Altertum berühmt war, aber unter den Stürmen der Völkerwanderung viel gelitten hatte, gewann im 11. und 12. Jahrhundert, besonders unter dem Schutze der Babenberger, an Bedeutung. In Gastein suchte 1436 Herzog Friedrich von Österreich gegen eine schwere Verwundung des Schenkels Heilung. Außer dem Leukerbad wurden im Mittelalter benutzt die Heilquellen zu Bormio, die den Alten schon bekannt waren, das Fiderisbad im Prätigau an der Straße von Landquart nach Davos sowie St. Moriz im Engadin; im 15. Jahrhundert begannen Meran, Schuls-Tarasp, die Schamseralp, St. Leonhard in Kärnten und Reichenhall als Kurorte einen Ruf sich zu erwerben.

Außer jenen Sagen, die in Südtirol im Gebiet des Rosengartens spielen und im frühesten Mittelalter entstanden sind, sind bemerkenswert die Mythen von Barbarossa im Untersberg, von König Watzmann, von der Frau Hitt, von den Dirndln im Dachsteingebiet, von den Drei Schwestern und anderen ungeheuerlichen Felsgestalten; alle diese Märchen verdanken der Phantasie des Mittelalters ihr Dasein, das bei dem Mangel ausreichender naturwissenschaftlicher Bildung die Erscheinungsformen des Gebirges sich nicht zu erklären wußte und infolgedessen mit Notwendigkeit auf übernatürliche Deutungen verfiel.

Gleichwie in der Literatur des Altertums keine Stelle zu finden ist, aus der man folgern könnte, daß die Bezwinger der Alpenprovinzen durch die hehre Pracht des Hochgebirges in Staunen versetzt worden seien, ebenso bietet die alpine Literatur des Mittelalters sehr wenige Anhaltspunkte dafür, daß die Wunder der Alpenwelt auf die damals lebenden Menschen einen besonderen Eindruck gemacht hätten. Die abstoßende Unwirtlichkeit der höheren Alpenregionen, die steilen Pfade, die schlechten und unsicheren Herbergen, die unmenschliche Kalte, die tiefen Abgründe, die Rauheit der Bergvölker und die
Wildheit der Gebirgsflüsse treten hier wie dort in den Vordergrund. Eine Reise durch das Alpengebirge galt als etwas Außerordentliches; es waren eben der Schwierigkeiten und Gefahren, die sich den Reisenden in den Weg stellten, viele, der Mittel diese zu überwinden zu wenige, als daß eine Alpenwanderung als ein belebendes, Körper und Geist stärkendes Vergnügen hätte empfunden werden können.

Quellen: Ruith, Die geograph. Kenntnisse der Alpen in früherer Zeit, deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, Jahrgang 1886. — Dr. Bernhard Schwarz, Die Erschließung der Gebirge von den ältesten Zeiten bis auf Saussure, Leipzig, Baldamus 1888. — Ratzel, Die Alpen inmitten der geschichtlichen Bewegungen. Zeitschrift des D. u. Ö. Alpenvereins 1896. — M. Neumayr, Über Bergstürze, Zeitschrift das D. u. Ö. Alpenvereins 1889.

Quelle: Professor Franz Ramsauer, Alpenkunde im Mittelalter, in: Natur und Kultur, 12. Jahrgang, Heft 21/22, 1. August 1915, S. 507 - 515.
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