Ratschings

Von Ridnaun führt eine Goldader durch den Schneeberg ins Passeier. Die Arzmutter liegt jedoch in Ratschings. Diese Sage ging eines Tages in Erfüllung. Der Rädererbauer von Ratschings und sein Knecht trieben das Vieh in den Wald zur Weide. Bei der Scherm-Feichte schlüpfte ein Rind aus und trat ein Stück Erdreich los. Darunter schimmerte den Männern der blanke Goldfelsen entgegen. Sofort wollte sich der Knecht daran machen, der Arzmutter zu Leibe zu gehen. Denn diese war es, daran zweifelten die Beiden nicht. Der Räderer hielt ihn aber energisch von seinem Vorhaben ab. Fein sauber deckte er die entblößte Stelle wieder mit Erde und Wasen zu. Es wäre viel besser, das Gold käme nie ans Tageslicht. Man hätte auch ohne dem zu leben, und im Falle des Bekanntwerdens des Schatzes kämen lauter schlechte Leute ins Tal. Mit dem Frieden und der Ruhe in Ratschings wäre es dann aus. Wohl oder übel mußte der Knecht gehorchen. Er war aber ganz anderer Anschauung und schlich sich später unbemerkt wieder in die Gegend der Scherm-Feichte. So sehr er sich auch bemühte, er konnte die Arzmutter nicht mehr finden.

= Fink / Eisacktal 1957 S. 57 f. (mdl.) - Heilfurth Nr. 1152 S. 933 f.
Aus: Gerhard Heilfurth, Südtiroler Sagen aus der Welt des Bergbaus, An der Etsch und im Gebirge, 25. Bändchen, Brixen 1968, Nr. 75, S. 65