DAS GNADENBILD IN DER HEILIGGEISTKIRCHE IN PRETTAU

In der Heiliggeistkirche in Prettau im Ahrntal ist auf dem Hochaltar ein uraltes geschnitztes Bild der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Es ist auf einmal dagewesen, niemand wußte, woher es gekommen war, und schon seit unvordenklicher Zeit wurde es vom Volke hoch verehrt.

Die Leute wissen von vielerlei Wundern zu erzählen, die da geschehen sind: Kranke sind plötzlich gesund geworden, Blinde sehend, Taube hörend, und es gibt kein menschliches Gebrechen, das da nicht Heilung gefunden hätte. Selbst für die kranken Haustiere war vertrauensvolles Gebet allda erfolgreich, und in allen möglichen sonstigen Anliegen wandten sich die Leute hieher.

Aber es konnte nicht ausbleiben, daß das einfältige Völklein des Tales in dieser oder jener Sache des Bildes wegen einigen Aberglauben hegte, und um der schädlichen Verbreitung desselben vorzubeugen, nahm es vorzeiten einmal der Pfarrer von Ahrn aus der Kirche und trug es in seinen Widum. Doch siehe, am nächsten Tage war das Bild nicht mehr im Widum, sondern wieder in seinem Kirchlein hinten in Prettau! Der Pfarrer nahm es ein zweites Mal fort und verschloß es in einen Kasten. Den Schlüssel steckte er zu sich. Doch tags darauf war das Bild aus dem Kasten weg und wieder im Heiliggeistkirchlein auf dem Altar. Der Pfarrer hat es nun auch dort belassen.

Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 551 f.