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EIN FUHRMANN STIFTET EINE LEONHARDSKETTE

Bei der uralten St.-Leonhards-Kirche zu Unterplanitzing bei Kaltern, gab es einst eine "Leonhardskette", die außen um die ganze Kirche herumreichte. Wie man erzählt, wurde diese Kette von einem Fuhrmann gestiftet, der der Fürbitte des hl. Leonhard seine Lebensrettung verdankte.

Der Mann fuhr nämlich einmal zur Winterszeit mit einem schwerbeladenen Fahrzeug von Auer und Gmund hinauf nach Kaltern. Es herrschte wildes Schneetreiben, und man sah kaum zehn Schritte weit, und da der Mann ortsunkundig war und im dichten Flockenwirbel unweit des Klughammerhofes, am östlichen Ufer des Kalterer Sees gelegen, den Weg verlor, kam er auf den gefrorenen See hinab und fuhr über diesen weiter. Er merkte den verhängnisvollen Irrtum aber erst, als weit drinnen im See auf einmal das Eis brach und das schwere Gefährt zu versinken begann. Da gelobte der Mann, dem hl. Leonhard, dem Schutzhelfer der Fuhrleute, eine Eisenkette rings um die nächste Kirche des Heiligen zu stiften - und konnte durch dessen Hilfe heil und gesund das rettende Ufer erreichen.

Er hielt dann sein Gelöbnis auch und ließ um die Leonhardskirche zu Unterplanitzing eine schwere Eisenkette hängen. Leider wurde diese Kette um 1785 abgenommen und verkauft, um mit dem Erlös die Kosten einer Restaurierung der Kirche zu decken. Aber ein kleines Stück der gestifteten Kette wurde doch zurückbehalten, und dieses etwa meterlange Kettenstück befindet sich heute noch über dem Haupteingang der Unterplanitzinger Kirche angebracht.

Quelle: Atz, Karl und Schatz, P. Adelgott, Der deutsche Anteil des Bistums Trient, Bd. II, S. 129