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DAS MARIENBILD IN KALTERN

Dieses Bild hatte Paul Selva von einem welschen Bilderhändler gekauft und in seinem Hause in St. Nikolaus aufgestellt. Als er am 14. März 1733 vor demselben den Rosenkranz betete, sah er am Bild hellichten Schweiß herabrinnen.

Als diese Tatsache großes Aufsehen erregte, wurde von Trient Thomas von Poda, Dekan zu Wälschmetz, nach Kaltern beordert, um den ganzen Vorgang zu prüfen. Er fand nach zweimaliger Untersuchung, daß das Bild wirklich auf wunderbare Weise schwitze, wollte aber sein Versprechen, dasselbe in feierlicher Prozession in die Kirche zu St. Nikolaus tragen zu lassen, noch nicht erfüllen. Schon hatte Poda sein Pferd bestiegen, um nach Hause zu reiten, allein das Tier achtete weder der Sporen noch der Peitsche und stand wie angewurzelt. Da sah v. Poda ein, daß er gefehlt habe, und sprach: "O Mutter, du schwitzest wahrhaft, und ich bitte dich inständig um Verzeihung meiner Sünde gegen dich!" Alsdann stieg er vom Pferde, bestätigte das Wunder und verordnete die feierliche übertragung. Dann stieg er wieder auf sein Pferd, das nun willig seinen Herrn nach Wälschmetz trug. (Kaltern.)

Quelle: Zingerle, Ignaz Vinzenz, Sagen aus Tirol, 2. Auflage, Innsbruck 1891, Nr. 864, S. 502