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DER TEUFELSSESSEL BEI MATSCHATSCH

Am Fuße des Mendelgebirges, dort, wo das Plateau von überetsch allmählich zum Mittelgebirge ansteigt, ist eine uralte verkrüppelte Buche zu sehen, welche im Volksmund der Teufelssessel genannt wird. An diesen Baum knüpft sich folgende Sage:

Vor mehr als hundert Jahren lebte zu Matschatsch, zwischen Kaltern und Berg an der Mendelstraße gelegen, ein blutarmer Pächter, dem zum überfluß der Storch alle Jahre einen kleinen Blasengel ins Haus brachte, bis die Stube voll war und keins mehr Platz hatte. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Das Pachtgut trug kaum so viel ein, daß er den Zins hätte zahlen können, und so hatten die Pächtersleute nichts zu beißen und zu schneiden.

Der Arme ging nun einmal, von Sorgen gequält, durch den Wald und gelangte zufällig zur unheimlichen Buche, auf welcher ein seltsames Männlein oben saß in einem altfränkischen Jägerröcklein und mit einem grünen Jägerhut auf dem Kopfe. Die Beine ließ es vom Ast herunterhängen, und daran trug es Stiefel von so absonderlicher Form, daß sich der Pächter darob ordentlich verwunderte. Und das Männlein rief vom Teufelssessel herab dem Pächter zu: "Was fehlt dir, guter Freund, daß du eine so sauertöpfische Miene machst?" Der arme Mann erzählt dem da oben von seiner Not und wie sie wohl bald alle werden verhungern müssen.

Da reichte der Jäger seinen Geldbeutel vom Baum herab und sagte: "Da nimm! Es sind hundert Taler drin; aber du mußt mir versprechen, das Geld in so und so viel Jahren wieder zurückzuzahlen; kannst du das nicht, dann gehörst du mir mit Leib und Seele."

Als der arme Pächter den Beutel voll Geld in der Hand hielt, dachte er zunächst nur daran, wie es jetzt mit seiner Not aus sei, und meinte, mit dem Zurückgeben könne es seinerzeit auch keinen Haken haben, denn jetzt werde er schon hausen. Daher nahm er auch gar keinen Anstand, den schriftlichen Vertrag, den ihm der Jägersmann darauf ebenfalls schon fertig vom Baume herunterreichte, mit seinem Blute zu unterzeichnen, denn so hatte der andere es verlangt.

Nun ging das Hauswesen des Pächters allerdings besser vom Fleck, aber als das Geld fällig war, hatte er es doch nicht. In dieser Verlegenheit fragte er einen Kapuziner des nahe gelegenen Klosters zu St. Michael in Eppan um Rat, und dieser sagte ihm, er brauche keine Angst zu haben, er solle nur dem Jäger die Schuld in lauter blanken Kreuztalern abzahlen. Auf Verwendung des Paters borgte der reiche Herr von Call dem Pächter die besagte Summe, und dieser begab sich zur festgesetzten Frist zum Teufelssessel, auf welchem richtig auch schon das Jägerlein höllisch grinsend saß. Der Pächter hielt ihm nun seinen mit den Kreuztalern gefüllten Beutel entgegen, und der Jäger wollte den Inhalt mustern. Als er aber die Kreuztaler erblickte, entfiel der Beutel seinen krallenförmigen Händen, und er floh unter Wutgeheul durch die Luft davon.

Dem Pächter verblieben nun die harten Taler, die er dem Eigentümer wieder zurückstellte, aber das Glück wich aus seiner Familie. Er hauste zwar auch hinfort nicht schlecht, weil er sehr arbeitsam blieb, allein unter seinen Kindern und Kindeskindern waren etliche krüppelhaft oder blöd oder es erging ihnen auf andere Weise übel, und das verpflanzte sich auch auf seine ferneren Nachkommen fort, bis auf den Tag.

Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 524