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SCHLOß BOYMONT IN FLAMMEN

Eines der größten und schönsten Schlösser des ganzen überetscher Gebietes war einst Boymont, auf einem aussichtsreichen Hügel hoch über Missian gelegen. Es gehörte den Herren von Boymont und dann, nach deren Aussterben, ihren Erben, den adeligen Herrn Kaßler von Boymont. Als sich an einem Fronleichnamstage die Kaßler mit ihrem Gesinde herab nach St. Pauls in die Kirche begeben hatten und eben mit den vielen Gläubigen an der feierlichen Fronleichnamsprozession durch die gesegneten Güter von St. Pauls teilnahmen, ertönte plötzlich der Ruf: "Schloß Boymont brennt, Schloß Boymont brennt!"

Nach anfänglichem Zögern machten sich die Männer sogleich auf nach Boymont, um zu löschen. Doch es war bereits zu spät: Boymont stand hellauf in Flammen und sank binnen kurzem in Asche. Es wurde nie wieder aufgebaut.

Die Ursache des Brandes wurde nie bekannt: Während die einen vermuteten, der Brand sei durch das übertriebene Schmalzsieden der Köchin - der einzigen im Schloß zurückgebliebenen Person - entstanden, munkelten andere gar, die Feinde, deren die reichen Kaßler sehr viele hatten, müßten die Köchin bestochen haben, auf daß sie ihnen Einlaß in die Burg gewähre und sie diese dann anschüren könnten. Da jedoch die Köchin in den Flammen umkam, konnte nie etwas Gewisses herausgefunden werden.

Quelle: Weber, P. Beda, Die Stadt Bozen und ihre Umgebungen, Bozen 1849. S. 435