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DER WECHSELBALG

Zu Mittern, einem Hof in Tonna bei Laurein, hielt sich einmal ein uralter Mann auf, der "Wechselbalg" genannt wurde. Er saß meistens in der Küche und sprach keine Silbe.

Die Leute wollten ihn gern reden machen, er aber schwieg wie ein Stock. Da kamen sie auf ein seltsames Mittel: Sie füllten viele Schneckenschalen mit Öl, gaben Dochte hinein, stellten sie auf den Herd und zündeten diese "Ampeln" an, als sie wußten, daß der alte Wechselbalg kommen werde, und verbargen sich dann.

Wie der Alte in die Küche kommt und die vielen Lichtlein sieht, beginnt er auf einmal zu reden und sagt voll Staunen: "Ich denk den Oberwald neunmal Wies' und neunmal Wald - aber so viele Hafelen und Lichter bei ein' Feuer hab' ich noch nie gesehen!"

Gestorben ist dieser Mann nie. Als er sich gar nicht mehr rühren konnte, da mußten ihn die Leute im Stall einmauern.

Quelle: H. Ungerer in: Der Schlern, Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde, 1961, S. 150