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DIE JUNGFRAU AUF GUTENBERG

Briefmarke Liechtenstein "Der Hort auf Gutenberg"

Briefmarke Liechtenstein "Der Hort auf Gutenberg"
Louis Jäger, Ausgabetag 4. Dezember 1969

In Gutenberg, der vielumstrittenen Feste bei Balzers, liegt ein unendlicher Hort geborgen, den eine weiße Jungfrau hütet. Der Schatz hat sich einmal gesonnt. Es war ein großer Haufen Schneckenschalen, die von purem Golde waren und wunderherrlich im Sonnenschein erglänzten. Wer den Schatz heben will, muß zuerst die weiße Jungfrau erlösen. Ein Bub aus Balzers war im Beerenlesen bis zur alten Mauer hinaufgekommen. Den sprach die Jungfrau um Erlösung an. Dreimal solle er sie umschwingen, aber dabei nicht auf ihre Haarzöpfe schauen und kein Sterbenswörtlein verlauten lassen. Der Knabe faßte all sein Herz und alle seine Kraft zusammen und schwang die weiße Jungfrau, ohne ein Aug zu verwenden und ohne den Mund zu spalten, zweimal herum. Das drittemal aber mußte er, er konnte nicht anders, einen Blick auf die schönen, goldglänzenden Zöpfe werfen. Da hatte er auf einmal zwei Schlangen in den Händen, und es schlüpften ihm die Worte heraus: "Jesis, wie kalt!" Da verschwand die Jungfrau mit Wehklagen, neue hundert Jahre müsse sie nun geisten und den Schatz hüten.


Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 210, Seite 156