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SANT AMERTA

Bei Triesen im Liechtensteinischen steht eine Kapelle, die Ludwig von Brandis im Jahre 1494 zu Ehren des hl. Bischofs Mamertus gestiftet hat. Anders erzählt die Sage von diesem Heiligtum.

Das Dorf Triesen war einst eine schöne Stadt und hieß Trison. Seine Bewohner aber lebten gottlos, so daß große Strafe über sie hereinbrach. Es flog ein Engel mit feurigem Schwerte in der Hand über die Stadt und rief: "Wer dem Untergang entgehen will, flieh gen Sant Amerta!" Aber nur ein einziges Weib folgte dem Ruf. Ihre zwei Kinder ließ sie daheim und gab ihnen gedörrte Obstschnitze zum Naschen und Spielen. Das Weib kniete im Kirchlein und betete, als ein furchtbares Getöse sie aufschreckte. Sie trat unter die Tür und sah zu ihrem Entsetzen das ganze Trison durch eine Rüfi überschüttet. Jammernd schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen und wußte nichts anderes zu tun, als wieder in die Kapelle zu fliehen und zu beten. Als sie abermals heraustrat, war ganz Trison untergegangen, nur ihr Haus stand noch, und als sie dahinkam, saßen die zwei Kinder in der Stube hinter dem Tisch bei den Schnitzen.

Dieses Haus zeigt man noch heute. Es sticht durch Größe und Altertümlichkeit von allen andern Häusern ab. Es ist auch in der ganzen Gasse das einzige Haus, das eine Bsetzi hat. Die Sant-Amerta-Kapelle steht auf einer Anhöhe über dem Dorfe.


Quelle: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 206, Seite 153