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Graf Arnold III. von Holland lässt einen Brunnen quillen

Graf Arnold der Dritte hatte während der ganzen Zeit seiner Regierung Streit mit den Westfriesen, welche nicht unter seiner Herrschaft stehen wollten. Und im fünften Jahre seines Grafenthumes brach ein Kampf zu Lande aus in Westfriesland bei dem Dorfe Winkel auf einem ebenen Felde, und da waren alle streitbaren Männer von Holland versammelt, um die Friesen wieder zur Unterwürfigkeit zu bringen. Und wie sie so da lagen und der Friesen warteten, da litten sie alle großen Durst, denn da war überall nur Salzwasser zu haben. Der Graf, welcher herzlich Mitleiden mit seinem Volke hatte, fiel in seinem Zelte auf die Knie und bat inniglich zu Gott, und als er wieder aus seinem Zelte kam, wies er ihnen eine Stelle, welche ihm von Gott in seinem Gebete geoffenbaret war, und da sollten sie graben. Und das taten sie und er stach seine Lanze hinein, und da fanden sie frisches, schönes Wasser und tranken alle und wurden gelabt. Inzwischen kamen die wilden Friesen mit einer großen Menge Kriegsvolkes und der Graf ging ihnen mit seiner ganzen Macht ritterlich zu Gemüht und schlug sie; ist aber durch Gottes Verhängnis selber in der Schlacht geblieben.

Quelle: Johann Wilhelm Wolf, Niederländische Sagen, Leipzig 1843