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Der überquellende Brunnen

Anno hundert vier und sechzig wurde südwestlich von Stavoren ein Pütz gegraben, bei eine halbe Stunde Gehens vor der Stadt, aus welchem ein großer Überfluss von Salzwasser oben hinauslief, gerade als ob es ein Springbrunnen gewesen wäre. Dadurch wurden die Einwohner sehr erschreckt; sie fürchteten, ihr ganzes Land sollte verderben und vergehen, wie es zuvor durch den feurigen Pütz (das rote Clif) geschehen war, und nachdem sie Stavo, ihrem Abgotte, geopfert hatten, empfingen sie eine Antwort, dass es nicht vergehen noch aufhören werde eher, als sie das Blut eines dreijährigen Kindes in dasselbe Wasser sprengten und mengten. Und dasselbe war so hastig nicht geschehen, und die Flut hörte auf, denn es wurde also leer in dem Pütz, dass man kaum Wasser darin sehen konnte, nach welchem der Pütz wieder gedämpft und zugeworfen ist.

Das Land, wo das Wasser übergeflossen war, blieb drei Jahre lang dürr, so dass keine Früchte darauf wuchsen; darnach begann es wieder Früchte zu tragen.

Quelle: Johann Wilhelm Wolf, Niederländische Sagen, Leipzig 1843