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Haerlem - II

Auf der Stelle, wo jetzt die Stadt Leyden steht, hatten die Wilten eine Burg gebaut, die denselben Namen trug, den jetzt die Stadt führt, und das war um das Jahr unseres Herrn 400. Einer von den Castellanen der Burg hatte mit seiner Frau viele Kinder und unter denen auch einen Sohn, genannt Lem oder Willem, und das war ein also starker und kluger Mann, dass die Wilten ihn zum Könige erwählten. Von ihm stammen auch die Burggrafen von Leyden ab, welches nun die Herren von Wassenaer sind. Daher haben die auch noch den Zoll und das Gruytgeld und sind im Besitze der Burg. Ehedem wählten sie selbst auch den Bürgermeister, die Schultheißen und Schöffen.

Dieser Lem aber hatte eine Hausfrau, welches eine Riesin war, und er wann von dieser einen Sohn, mit Namen Dibbalt, der später König von Friesland wurde. Dibbalt nahm gleichfalls eine Riesin zum Weibe, und diese gebar ihm wieder einen Sohn, den er nach seinem Vater Lem nannte. Dieser wurde ein gewaltiger Ritter und baute eine starke Festung und Burg und hieß dieselbe nach seinem Namen Heere Lems stede. Und das ist die jetzige Stadt Haerlem, die in der langen Zeit groß und schön geworden und nun zur Hauptstadt des kenemer Landes erhoben ist.

Quelle: Johann Wilhelm Wolf, Niederländische Sagen, Leipzig 1843