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Des Pabstes Antwort

Nachdem Karl der Kahle Sigeberti, des Prinzen von Aquitanien, Sohn Dirck als Grafen von Holland eingesetzt hatte, und die Friesen und Holländer, welche deß gar unzufrieden waren, und lieber unter des Kaisers Freithum leben wollten, besiegt und überwunden hatte, da zog er ab aus Holland und ließ Dirck daselbst allein. Als dies die Friesen merkten, da hielten sie heimlich mit den Holländern Rath, wie sie den Grafen Dirck vertreiben möchten, und sie verschwuren und verbanden sich zusammen, um solches ins Werk zu setzen.

Graf Dirck bekam deß bald Wissen und zog hastiglich zu König Karl und gab diesem den Aufstand seiner Untersassen und der Friesen zu erkennen. Da schrieb der König minnigliche Briefe an Pabst Johannes den Achten, der zu der Zeit in Mainz am Rheine war, und begehrte Rath, was er in dieser Sache machen sollte. Als der Pabst den Brief gelesen hatte, ließ er die Gesandten des Königs zu sich kommen und nahm den Brief und schnitt ihn in lange Riemen, und die Enden der Riemen schnitt er oben ab. Des Abends ging der Pabst mit den Gesandten in einen Hof, wo viele Bäume standen, kleine und große, und nahm ein Schwert und hieb die Wipfel der großen Bäume ab und tat insgleiche auch einigen der kleinen. Solches tat er zu dreien Malen. Da ersuchten die Gesandten des Königs den Pabst um Antwort für ihren Herrn, aber sie empfingen keine Antwort, sondern sie sollten nur dem Könige sagen, was sie den Pabst hätten tun sehen, welches sie auch also vollbrachten. Der König verstand alsbald des Pabstes Meinung, versammelte viel Volk und zog wieder gen Holland mit dem frommen Prinzen Dirck. Und da ließ er bei Nacht die Reichsten und Mögendsten von Holland aus dem Bette holen und andern Morgens ihnen in Gegenwart des ganzen Volkes das Haupt abschlagen und desgleichen tat er auch an vielen aus der Gemeinde. Als das Volk sah, dass des Königs und des Grafen Zorn so groß war, fiel es ihnen zu Füßen und flehte um Gnade. Und so ward Dirck von neuem eingesetzt zu einem Grafen von Holland.

Quelle: Johann Wilhelm Wolf, Niederländische Sagen, Leipzig 1843