"Was die Leute in Olbendorf sich erzählen."

"Olbendorf soll in früheren Zeiten Ulm geheißen haben und eine Stadt gewesen sein. Wie es aber zur einem Dorfe herabgesunken ist, weiß man nicht. Das Weichbild der Stadt soll auch damals das sogenannte "Dörfl" gewesen sein, wie es auch jetzt noch das von Olbendorf ist, nicht nur, weil es so ziemlich in der Mitte liegt, sondern weil hier Kirche, Pfarrhof und Schulhaus, die wichtigsten Gebäude der Gemeinde, sich befinden.

Ein Gelehrter war der Meinung, daß der Ort "Ulmendorf" heißen sollte und wahrscheinlich auch so geheißen hat, der Ulmenbäume wegen, deren hier viele, besonders im "Dörfl" wachsen, obschon sie sich nicht zur Höhe eines Baumes erheben, da sie nur zu Hecken (lebendigen Zäunen) benützt werden.

Die Häuser der Ortschaft liegen jetzt auf folgenden sieben Hügeln gestreut: dem Raineck, dem Eisenberg, dem Ungerberg, dem Möltl, dem Tulmen, dem Kirchberg und dem Greiner. Von den drei Tälern, dem Gscheider, dem Harbach und dem Hinterschantl, soll das letztere mehreren Edelleuten gehört haben; einer von ihnen besaß einen Meierhof, der am Abhang des Eisenberges gelegen war. Noch jetzt wird jener Teil des Abhangs, obwohl keine Spur eines Gebäudes mehr aufzufinden ist, "Meierhof" genannt.

Im Tale, daß sich vom Dörfl bis zum Greiner hinaus gegen Sonnenaufgang hinzieht und der "Lederische Garten" heißt, sollen Häuserreihen gestanden sein, von denen jetzt noch einige niedrige Schutthügel sichtbar sind. Dieses Tal hat den Namen von einem Schlosse, das an der Ecke des Greinerischen Hügel gegen Südost gestanden sein und einem Freiherrn "Lederer" gehört haben soll. Dieser Hügel wird noch allgemein der "Schloßberg" genannt.

Im Schloßturme, sagt man, sei eine große, volltönende Glocke gehängt, die man aber aus Furcht vor den räuberischen Kuruzzen in die Erde vergraben habe. Später wollte man die Glocke ausgraben; und schon waren die Spaten bis zu der Krone der Glocke in die Tiefe gedrungen. Beim ersten hellen Klang habe man aber zu reden angefangen, da sei die Glocke wieder versunken.

Am Fuße des Schloßberges quillt noch heute ein Brünnlein, von dem die Sage geht, daß in dessen Tiefe die versunkene Glocke ruht." 


Quelle: Gemeindechronik, Emmerich Bauer, ~1950, Emailzusendung von Helmut Windisch am 4. Juli 2006.