Zauberer und Hexen reiten auf Kufen

Wie der Onkel heimgegangen ist auf d'Nacht von seinem Mädel, von seiner Geliebten, sind im Garten Kühe gerannt. Die Kühe! Vom ganzen Dorf waren's die Kühe, das war so ein großer Garten, größer als alle zwei Meierhofräume dort, größer. Und da ist der Onkel durchgegangen. Jetzt, hat er gesagt, hat er einen gekannt von denen. Auf der Kuh sind sie geritten, und die Kuh hat rücklings rennen müssen, rückwärts. Die Hexen sind auf der Kuh gesessen, Männer, Weiber, wer halt das können hat, und die Kuh hat rücklings rennen müssen, und beim Schweif, das war der Zügel. Wie bei den Pferden. Und die haben rücklings rennen müssen, und die Zungen haben sie so herausgehalten, von dem Laufen, von dem Rundrennen.

Und einen, wie er vorbei ist, einen hat mein Onkel gekannt. Hat der gesagt: "Josef, wenn du das sagst, daß wir da waren im Garten, dann darfst keine Nacht mehr warten, daß du daheim schlafen darfst. Dann bist fort. Dann mußt mit uns mit", hat er gesagt, "und wennst nachher stirbst, das ist mir ganz egal."

Er hat es nicht sagen dürfen, der Onkel, daß er das gesehen hat. Vom ganzen Dorf haben sie die Kühe zusammengetrieben und haben sie gemartert, die ganze Nacht, sie reiten ja von zwölfe bis eins. Eine Stunde, wenn eine Kuh rücklings rennen muß! Und in der Früh sind die Kühe gelegen, alle, daß sie einen Tierarzt gebraucht haben, und sie haben nicht gewußt, was die Kühe haben. Sie sind ausgestreckt gelegen, und den Fotz [das Maul] haben sie aufgerissen und die Zunge herausgehalten, so, wie wenn sie Lungenentzündung gehabt hätten. Durch das Erhitzen, was die getrieben haben, die Hexen, nicht?

Und dem Vater sein Bruder hat das gar nicht sagen dürfen, wegen was die Kühe so in der Früh liegen. Die Haxen ausgestreckt, alle viere, und das Maul aufgerissen, weil sie zuviel hingemartert sind worden.


Quelle:Angaben zu den abergläubischen Erzählungen aus dem südlichen Burgenland (Burgenländische Forschungen, H. 33), Karoly Gaal, Eisenstadt 1965, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 27f.