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Der Höllenstein

An der Nordseite des Schöckls, an der Wegabzweigung zum vulgo Winterreiter, mußte im Zuge der Wegverbreiterung im Jahre 1961 eine kleine, vorspringende Felswand weggesprengt werden, die im Volksmund den Namen „Höllenstein" oder „Teufelsstein" trug.

Der alte Jäger Schorsch, der in der Nähe wohnte, wußte über diesen merkwürdigen Stein folgendes zu erzählen:

Einst ging ein Köhler, mit sich und der Welt unzufrieden, weil er seine Kohlen schlecht gebrannt hatte, vom Hammerschlag am nordöstlichen Abhang des Schöckls durch den Wald heimwärts.

Mißmutig murmelnd, es könne ihn der Teufel holen, stapfte er an der Kalten Rinne, an deren klarem Wasser er sonst immer seinen Durst gelöscht hatte, denn es war die einzige Quelle in der Gegend, heimwärts.

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, stand auch schon der Eeibhaftige vor ihm. Er erkannte ihn sofort an seinem behaarten Gesicht und an den zwei kurzen Hörnern, die aussahen wie die eines jungen Ziegenbockes. Den klugen Köhler verließ jedoch nicht der Mut, als der Teufel ihn aufforderte mitzukommen. Sie begannen zu verhandeln und kamen überein, daß der Mann freigehen sollte, wenn er imstande sei, einen Stein mit der bloßen Hand zu zerdrücken. Der Teufel machte es ihm vor und zerdrückte einen Stein, daß es nur so zwischen seinen Fingern hervorstaubte.

Der Köhler jedoch erinnerte sich seines Jausenapfels und zerdrückte diesen anstatt des Steines zwischen seinen Fingern, daß der Saft hervorrann. Aber der Teufel gab noch nicht auf.

Er verlangte, daß der Mann einen Stein so hoch werfen solle wie er. Und er warf einen Stein so hoch in die Luft, daß dieser erst nach einer geraumen Weile zur Erde herabfiel.

Der Köhler jedoch hatte einen zahmen Zeisig bei sich, den er immer als fröhlichen Gesellschafter zu seiner Arbeit mittrug. Er nahm ihn hervor und warf ihn in die Luft.

Der Vogel flog hoch und höher und war bald zu Hause.

Der Teufel, der den Vogel nicht erkannt hatte, wartete vergeblich und wurde immer unruhiger und wütender.

Als er schließlich einsehen mußte, daß er ein zweites Mal verloren hatte, rannte er mit dem Kopf voran mit aller Wucht gegen eine am Weg befindliche Felswand, daß die Funken stoben und es wie von Schwefel qualmte.

Zurück blieb in der Felsplatte der dunkle Abdruck der Teufelsfratze mit den beiden Vertiefungen, die die Hörner in den Stein gedrückt hatten. Der Köhler hat aus Dankbarkeit später drei Kreuze in diesen Stein gehauen und gelobt, in Zukunft den Teufel aus dem Spiel zu lassen. Die Kreuze waren bald durch die Verwitterung verschwunden, den Abdruck des Teufelskopfes aber hat man noch lange sehen können.

Quelle: Hans von der Sann, Sagen aus der grünen Mark.
In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 141.