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Wilde Männer und Salige im Ultentale

Auch das Ultental ist von Wesen der Mythe bevölkert. Wilde Männer hausten daselbst. Ein solcher Wilder Mann sagte in jedem Herbste einem alten Bauer am Bergmannhof im Martschein-Werch, wann es Zeit sei, das Feld zu bauen und die Wintersaat zu streuen. Einmal gab der Wilde Mann eine Zeit an, die so spät in das Jahr fiel, daß der Bauer meinte, er verstehe das doch besser, so lange dürfe man nicht warten, da kämen ja Frost und Schnee und dann sei es aus mit der Feldbestellung. Der Mann ackerte und säte frisch darauflos, aber das Wetter blieb warm und mild bis in den Christmond hinein, und es kamen Feldmäuse in Scharen, zehrten das gesäte Korn, da sie kein anderes mehr fanden, dann kamen Regengüsse und schwemmten die Saat fort und so mehr. Der Wilde Mann aber kam niemals wieder zu dem superklugen Bäuerlein. Dasselbe wird von dem Hofe "Beim Bergmann" erzählt, der von einem solchen Wild-, Wald- oder Bergmann den Namen führen soll.

Vom Oberkoflerhofe im Mairol-Werch sagte ein Wilder Mann: "Nie wird auf diesem Hofe ein Bauer gut hausen, solange nicht die Eisenstangen gefunden sind, die auf dem Hofe irgendwo vergraben liegen und vom Roste zerfressen sind."

Auf demselben Hofe hatte ein Bauer eine Salige in das Haus genommen, und sie lebte mit ihm als Frau froh und glücklich. Sie hatte ihm dreizehn Kinder geboren, aber ihm gleich anfangs verboten, sie zu fragen, woher sie stamme. Fast waren die Leute nun schon miteinander alt geworden, da plagte der Teufel der Neugier endlich doch den Bauern, und er fragte sie halb im Scherz, wo sie her sei, sie scheine ihm aus einem Kindleinsbrunnen gebürtig zu sein. Da entrollten den Augen der Saligfrau zwei zornige Zähren, und sie rief mit halberstickter Stimme: "Fragst du, so klagst du!" Und kein Wort weiter, und in wenigen Augenblicken war sie fort und mit ihr alle dreizehn Kinder; nie kam eins wieder und der törichte Bauer war in Verzweiflung allein.

Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 276.