DER GOLDWURM

An den steinigen Hängen der Bachlerfilz in Hart bis hinüber gegen die sogenannten Reichenfelder, die nichts anderes sind als magere Geröllhalden, ließ sich in früheren Zeiten hin und wieder ein goldener Wurm sehen. Aber nur wenige Leute bekamen ihn zu Gesicht. Tagsüber versteckte sich das Vieh unter Steinen, auch des Nachts verließ es ungern seinen Schlupfwinkel. Nur vor hohen und höchsten Feiertagen soll es sich gezeigt haben. Es sei ein schöner Anblick gewesen, wenn der goldglänzende Wurm durch die Nacht kroch. Man durfte ihn jedoch nur aus der Ferne beobachten. Kam ihm jemand in die Nähe, verkroch er sich unter den Steinen.

Die Leute sagten, der Goldwurm hüte einen riesigen Schatz, man versuchte alles, ihn zu fangen oder gar zu erlegen, um damit in den Besitz des Goldes zu gelangen. Jeder Versuch, des Schatzhüters habhaft zu werden, misslang. Mit einer Schusswaffe war dem Wurm nicht beizukommen, und ihn mit bloßen Händen zu fassen, das getraute sich keiner. Darum ist der Goldwurm immer noch frei. Ob ihn je einer fangen wird? Die Aussichten sind gering, denn er hat sich schon seit langer, langer Zeit nicht mehr sehen lassen.

Quelle: Hifalan & Hafalan, Sagen aus dem Zillertal, Erich Hupfauf, Hall in Tirol, 2000, S. 30