Der Geist auf der Elsalm

Auf der Elsalm hatten sie bei der Heimfahrt den Milchseiher vergessen. Da fragte der Bauer die Sennerin, ob sie sich noch einmal hinauf getraue, den Seiher zu holen.

"Wenn du mir den Hund mitgibst, geh' ich wohl",

antwortete die Dirn. Der Bauer gab ihr den Hund mit, und die Dirn machte sich auf den Weg.

Als sie bei der Käshütte anlangte, begann es bereits dunkel zu werden. Wie sie die Hüttentür öffnete, lag auf dem Boden ein feuriges Ross. Die Dirn ließ sich davon aber nicht im geringsten beirren, sie sprang über das Ross und griff nach dem Seiher. Ein Sprung zurück, den Hund an der Leine genommen, und schon ging es wieder bergab. Da merkte sie, dass das Ross hinter ihr her war. Und auf einmal begann dieses zu reden:


"Hättest nicht das Reißende und das Beißende und das Hupfete bei dir gehabt, dann hätte ich dich zertreten zu Lab und Stab."

Darauf tat das Ross einen lauten und langen Wieherer und sprang in die Klamm.

Die Sennerin kam wohl unverletzt und ohne Schaden heim, der ausgestandene Schrecken aber machte sie krank und schwach, sodass sie bald darauf starb und im Dorffrieden begraben wurde.

Die Felsplatte, von der aus das feurige Ross in die Tiefe sprang, heißt seither "Roßplatte".


Quelle: Hifalan & Hafalan, Sagen aus dem Zillertal, Erich Hupfauf, Hall in Tirol, 2000, S. 131f.