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REIFBEIßER, EIN WEIN

Stephanskirche © Tanja Beinstingl

Der Stephansdom
(mit Plakat "Kein Haus ist für die Ewigkeit gebaut")
©Tanja Beinstingl, April 2004

Im Jahre 1450 wuchsen im Lande Österreich so sauere Trauben, daß die meisten Bürger den gekelterten Wein in die Straßen ausschütteten, weil sie ihn seiner Herbheit halber nicht trinken mochten. Da ließ Friedrich III., römischer König, ein Gebot ausgehen, die Gottesgabe nicht also schmählich zu verschütten, sondern wer sie nicht trinken möchte, solle sie auf den Stephansfreithof führen. Damals war es, daß Meister Hans Buchsbaum, am Tage Hippolyts, den neuen Grund legte zu dem zweiten, unausgebauten Turme und da wurde der Mörtel mit Wein gefeuchtet, der Kalk mit Wein gelöscht.

Der Witz des Volkes zu Wien nannte den Wein Reifbeißer, weil seine Säure die Dauben und Reife der Fässer abbeiße und durchfresse.


Quelle: Volkssagen, Mährchen und Legenden des Kaiserstaates Österreich, Ludwig Bechstein, 1840