Seelenhungrige Teufel

Der fromme Waldbruder zu Sankt Verena ob Zug saß eines schönen Tages vor seinem Hüttchen und betrachtete die Wunder der Natur, wie sie der Schöpfer in besonderem Maße dem herrlichen Zugerländchen beschert hatte. Plötzlich wurde der stille Beschauer aus seinem Betrachten aufgeschreckt. Mit Treichlengeläut und Peitschenknall kam unter grausigem Lärmen von Allenwinden her in wildem Sturm ein Rudel schwarzer Teufel gegen Zug. Mit einem andächtigen großen Kreuzzeichen bannte der Waldbruder die wilde Schar für einen kurzen Augenblick und frug sie nach ihrem eiligen Vorhaben. Die Teufel erzählten nun, daß sie nach dem Luzernerbiet reisen und dort beim alten Kandi Mattmann warten wollen, um seine Seele in Empfang zu nehmen.

Dieser Kandi Mattmann war ein Wunderdoktor gewesen und hatte landauf und landab die Kranken geheilt und den Armen geholfen. Nie hatte er aber bei den armen Leuten für seine Wunderkuren Geld verlangt. Jetzt lag er selber auf dem Sterbebett und die Teufel waren nun gekommen, um seine Seele zu holen.

Beim Einnachten hörte der Waldbruder zu Sankt Verenen wiederum das bekannte Geheul. Die Teufel waren auf dem Rückweg, aber ohne die Seele des Kandi Mattmann aus dem Luzernerbiet. Die seelenhungrigen Teufel waren nicht auf ihre Rechnung gekommen, denn als sie in das Haus des sterbenden Heilkünstlers eindringen wollten, war ihnen der Eingang verwehrt, weil immer und immer wieder Bettelsäcke von unsichtbarer Hand aufgehäuft wurden. So mußten sie ihr Vorhaben aufgeben. Das Wohltun habe dem Kandi Mattmann die ewige Seligkeit verschafft und die seelenhungrigen Teufel abgewehrt.

Quelle: Hans Koch, Zuger Sagen und Legenden, Zug 1955, S. 105