214. Christus und die Schmalzsiederin.
Als Christus die Welt durchwanderte, kam er einmal in ein Bauernhaus, wo die Bäuerin gerade mit "Schmalzaussieden" (Butterauslassen) beschäftigt war. Da fragte sie der Herr, was sie denn da in der Pfanne drin habe. Das Weib aber meinte, er sei ein Schmalzbettler, und weil sie fürchtete, sie müsse ihm davon etwas geben, so gab sie die kindliche und blöde Antwort: "Nichts!" Da sprach der Herr:

"Weil die Sache nichts soll sein,
Wird sie sieden halbe ein."

Seitdem geht beim Schmalzsieden ein großer Teil des Gewichtes verloren, also daß man viel weniger Schmalz bekommt, als man Butter hatte.

Quelle: Allgäuer Sagen, Aus K. A. Reisers "Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus" ausgewählt von Hulda Eggart, Kempten und München 1914, Nr. 214, S. 221.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Franziska Meister, März 2005.