243. Der Hexenplatz bei der Noppenspitze.

Auf einem hochaufragenden Felsen der Noppenspitze bei Luxnach im Lechtale hatten ehedem die Hexen ihren Versammlungsort. Hier trieben sie ihr Wesen dann am ausgelassensten, huldigten dem Teufel, zettelten im übrigen allerlei Unheil an und brauten namentlich böse Wetter, die darum auch immer am ärgsten hausten, wenn sie von der Noppenspitze gezogen kamen. Da beschlossen die Talbewohner, auf diesem Hexenplatze ein Wetterkreuz zu errichten, und der Schmied von Häselgehr sollte es aus Eisen herstellen, was aber die Hexen mit aller Macht zu hintertreiben suchten. Während er nämlich daran war, die Eisenteile zusammenzuschweißen, entstand ein gar fürchterliches Gewitter, und der Hagel schlug alles in Grund und Boden. Auch wollte die Arbeit fast gar nicht gelingen, und dreimal mußte er das Eisen ins Feuer bringen, bis es endlich zusammenschweißte. Zuletzt aber gelang das Werk doch; das Kreuz wurde zu dem Platz hinaufgebracht und aufgerichtet, und seitdem hat dieser aufgehört den Hexen als Versammlungsort zu dienen.


Quelle: Allgäuer Sagen, Aus K. A. Reisers "Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus" ausgewählt von Hulda Eggart, Kempten und München 1914, Nr. 243, S. 254.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Franziska Meister, Februar 2005.