228. Die Schwedenkapelle bei Hochgreut.
Wenn man von Hochgreut über Hauptmannsgreut gegen Görisried und dem Kempter Wald zu geht, kommt man bei den Gehöften "Unter der Halde" an einer kleinen Kapelle vorbei, von der folgende Sage geht:
Als die Schweden im Lande hausten und die Pest gar greulich wütete,
waren es in Hochgreut nur mehr sieben Mann. Die flüchteten, um von
dem Feinde nicht gefangen oder niedergemetzelt zu werden, an einen schwer
zugänglichen Ort in dem dortigen Berggelände, gruben eine Höhle
und wohnten darin. Zwei Kühe, ihre noch einzige Habe, hatten sie
mitgenommen und lebten von deren Milch. Da sandten sie einen von ihnen,
Namens Peter, einmal fort einen Laib Brot zu holen. Als dieser aber an
einem Hause vorbeikam, ritt gerade ein schwedischer Reiter ums Eck und
nahm ihn sogleich gefangen. Er band ihn an den Schweif des Pferdes und
verlangte nun, daß er ihm durch den großen Kempter Wald den
Weg nach Görisried zeige. Da sagte der Peter, das wolle er schon;
aber der Weg sei nicht leicht zu finden, und er könne es nur, wenn
er ihn vorausgehen lasse, denn da hinten am Pferde sehe er nichts. So
band ihn der Schwede los und ließ ihn vorausgehen. Als sie aber
eine Strecke zurückgelegt hatten und gerade an einem Graben und an
einem Moos vorbeikamen, sprang der Führer plötzlich seitwärts
über den Graben in den Sumpf. Der Schwede will ihm nachreiten; allein
der Schimmel sinkt ein, und der Reiter stürzt. Voller Ingrimm wirft
dieser nun dem Davoneilenden das Schwert nach, ohne ihn jedoch zu treffen.
Da kehrt der Peter sogleich um, hascht nach dem Schwerte und rückt
jetzt dem entwaffneten Schweden entgegen, den er - "damals waren
die Menschen alle ganz wild" - niederstreckte und tötete und
ihm alle Ringe und Wertsachen abnahm. Schon vorher hatte aber der Peter
das Gelübde getan, wenn er diesmal entrinne, so wolle er eine Kapelle
erbauen, und hielt nun sein Gelöbnis. So entstand die Kapelle unter
der Halde, in der die Geschichte früher auf einer Tafel aufgemalt
war.
Quelle: Allgäuer Sagen, Aus K. A. Reisers "Sagen,
Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus" ausgewählt
von Hulda Eggart, Kempten und München 1914, Nr. 228, S. 237f.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Franziska Meister, Februar 2005.