Der Pangraz zu Greifenburg

Bei einen Bürger in Greifenburg war eine Magd bedienstet. Die hatte einen Buben, der Pangraz hieß. Wenn nun der Junge ein Loch in Hose oder Janker brachte, sagte die Mutter: „Geh stiehl eine Nadel mit Faden oder stiel dir einen Fleck, damit ich das Loch zunähe!“ Da stahl der Bub Nadel, Faden , Flicken und alles, was erreichbar war, die Eier vom Nest, die Butter aus dem Kübel, den Speck aus der Dasen, das Brot aus der Rehm. Je größer er wurde, um so ärger trieb er`s, bis ihm niemand mehr Arbeit und Unterkunft geben wollte.Da trieb er sich in den Bergen und Wäldern herum, lebte von Diebstahl und Raub und scheute auch nicht vor Brand und Mord zurück. Dann ging er mit dem „Zweispitz“ (Teufel) einen Bund ein und lernte die Schwarzkunst. Um diese lernen zu können, erschlug er auf dem Gailberg eine schwangere Frau, nahm ihr das Kind aus dem Leib und schnitt ihm die Fingernägel ab. Damit kam er durch alle Mauern und Türen, nur musste er immer ein Stückchen Holz in der Hand haben.

So oft man ihn auch fing und einsperrte, er kam immer wieder los. Nur vor Greifenburg hatte ihn der Zweispitz gewarnt, da werde er nicht mehr loskommen und da werde es ihm schlecht ergehen. Aber es zog ihn immer wieder ins Drautal hinüber und eines Tages fingen sie ihn ein, führten ihn nach Greifenburg und sperrten ihn im Pflegeheim in die „Keichen“. Die hatte eine Eisentür, auf dem Boden lag ein Strohbund. So viel er auch suchen mochte, er fand nicht das kleinste Stückchen Holz. „ Jetzt geht`s mir an den Kragen“, dachte er verzweifelt. Da hörte er auf dem Platz draußen Kinder spielen und lärmen. Er rief durch das „Giggerle“ hinaus: „Schmeist mir doch ein kleines Steggerle herein.“ Den Kindern machte es Spaß und sie warfen ihm ein Stückchen Holz hinein. Nun war der Pangraz wieder gerettet. Er floh auf den Kreuzberg hinüber. Dort begenete ihm ein Weiblein. Er fragte es, wo es hingehe. „Nach Greifenburg“, sagte sie. „Da, nimm für den Pfleger einen Gruß mit!“ Damit faßte er das Weiblein, legte es übers Knie und schlug ihr das Hinterteil mit Schuhnägel an. „So,“ sagte der Pangraz, „wenn der Pfleger das sieht, weiß er schon, wer ihn grüßen läßt.“ Als der Pfleger von dieser neuen Missetat hörte, musste, wer nur konnte, ausziehen und den Kreuzberg nach dem Pangraz absuchen helfen. Wirklich fingen sie ihn ein. Der Pfleger sprach ihn an: „Jetzt wird kurzer Prozess gemacht. Führt ihn auf den Galgenbichl und hängt ihn auf.“ Aber so viel sich die Leute mühten und plagten, sie brachten den Pangraz vom Martplatz nicht weiter. Da rief eine alte Frau: „Legt rotlärchene Bretter! Solang er auf der Erde steht, hilft ihm der Zweispitz.“ Da legten sie vom Marktplatz bis zum Galgenbichl rotlärchene Bretter und nun führten sie ihn, rechts und links ein Mann, hinaus. Auf dem Galgenbichl bat er, noch einmal seine Mutter sehen und ihr einen Abschiedskuß geben zu dürfen. Man holte die Mutter. Weinend fiel sie ihm um den Hals, da biß er ihr die Nasenspitze weg und sagte: „Hättet ihr mich nicht stehlen gelehrt, müsste ich jetzt nicht hängen. Das ist der Dank dafür.“ Pangraz war der Letzte, der auf dem Greifenburger Galgenbichl gehängt wurde.

Quelle: Gemeindechronik Greifenburg; Email-Zusendung von Sepp, 24. Jänner 2010.