DER FREIMANN DES GRAFEN HERBERSTORFF

Der Scharfrichter des Bauernbezwingers Adam Graf Herberstorff, Meister Stephan, war vorher Freimann in Linz. Dort saß er eines Tages im Gasthaus beim Trunk; da erblickte er einen armen Krüppel, der vor der Schenke auf den Stufen kauerte. „Dem möcht ich mit Lust den Kopf abschlagen", meinte der Freimann zu den Gästen, ergriff sein Richtschwert, lief hinaus und hieb dem armen Teufel mit einem Streich glatt das Haupt vom Rumpf. Seiner stets bewiesenen Geschicklichkeit wegen wurde er ob dieser Bluttat zwar nicht gerichtet, aber des Landes verwiesen. Der Statthalter Herberstorff nahm ihn aber später doch wieder in seine Dienste und berief ihn nach Linz zurück. Dafür erwies sich Meister Stephan auch bald erkenntlich. Während des Bauernaufstandes 1626 begleitete er seinen Herrn einmal auf einem Ritt über Land. Dabei fiel ein Bauer dem verhaßten Grafen in die Zügel und schwang den Morgenstern auf das Haupt des Statthalters. Der Freimann aber kam ihm zuvor und trennte durch einen einzigen Meisterstreich seines Schwertes dem Angreifer die eine Hand so knapp am Zügel ab, daß sie dran hängen blieb und die andere samt dem Morgenstern zu Boden fiel.


Quelle: Linzer Regesten, Magistrat, Linz. E 6/100 Seyringer Chronik

aus: Hans Commenda, Sagen in und um Linz, in: Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 21, 1967, Heft 3/4, S. 27 - 74.