JOSEF II. IN LINZ
I. Wenn Josef II. Linz besuchte, dann wohnte er nicht mehr, wie noch seine Mutter Maria Theresia, im kaiserlichen Schloß, sondern in der schlichten Handwerkerherberge Zur weißen Gans" - heute Bayrischer Hof" - am Hofberg. Eine Tafel an der Schauseite des alten Hauses und ein Bild in dem einfachen Zimmer, wo der Kaiser schlief, erinnern daran.
II. Hausknecht des Gasthofes war damals ein kleiner, verwachsener Bauernbursch, der sich aber ganz trefflich auf das Kutschieren verstand und daher den Kaiser in der Wirtskalesche in Linz herumfahren durfte. Er besorgte dies auch in solcher Zufriedenheit des hohen Fahrgastes, daß dieser ihm eines Tages einen Wunsch freistellte. Da brachte der Hausei treuherzig seine inständige Bitte vor, nicht zum Militär einrücken zu müssen. Der ansonsten sehr ernste Kaiser lachte laut auf ob dieser einfaltigen Bitte des völlig zum Wehrdienst untauglichen Krüppels und sagte: Das sei dir gerne gewährt. Zum Dank aber für dein gutes Rosselenken und zur Erinnerung an mich nimm noch diese Andenken mit meinem Bilde." Damit reichte er dem Überglücklichen 12 funkelnde Golddukaten.
III. Sooft sich der Kaiser in Linz zeigte - und er besah sich alles genau und gründlich -, sammelten sich allzeit die Linzer in Scharen um ihn. Josef war darüber indes alles eher als erfreut. Er musterte die Umstehenden mit wenig freundlichen Blicken und fragte schließlich: Ja, ist denn heute ein Feiertag?" Als man dies verneinen mußte, versetzte er barsch: So möge man doch arbeiten!", ließ sich aber wesentlich milder stimmen durch die Aufklärung, für die Linzer sei eben die Anwesenheit ihres geliebten Monarchen allzeit ein Feier- und Freudentag.
IV. Auch die Staatsbuchhaltung beglückte Josef II. mit einem ausgiebigen Besuche. Er erkundigte sich eingehend über die laufenden Arbeiten und fragte schließlich, ob es keine Rückstände in der Gebarung gäbe. Mit roten Köpfen gestanden die verlegenen Beamten, daß dies wohl der Fall sei. Der Kaiser aber bemerkte trocken: Buchhaltungen müssen immer Rückstände haben, sonst hörte sich doch ihre Arbeit auf."
V. Im Linzer Dom war der Kaiser zum Besuch der Messe angesagt. Ein kunstvoller Betstuhl, mit weichen Kissen bedeckt und auf kostbare Teppiche gestellt, wurde für den Monarchen einsam vor dem Chorgestühl bereitgestellt. Als der Kaiser eintraf, räumte er ihn eigenhändig zur Seite, setzte sich mitten unter die übrigen Andächtigen auf die Holzbank und begründete dieses Verhalten mit den Worten: Vor Gott sind alle Menschen gleich!"
VI. Als auf Befehl des Kaisers auch Oberösterreich genau vermessen und zur Anlage des Josefinischen Katasters beschrieben wurde, da sagten die Leute heftige Unwetter voraus, weil man der guten Erde keine Ruhe lasse und ihren Frieden störe. In Linz traten damals eine Reihe von schweren Gewittern auf, die der Volksmund als Strafen des Himmels für den freventlichen Eingriff in das gottgewollte Naturgeschehen erklärte.
Quelle I: Gugitz Gustav, Josef II. als Reformator
in Linz. Linzer Tages-Post. 1932, 222, 24. 9.
Pillwein Benedikt, Linz, einst und jetzt. Linz, 1846. S. 241
Quelle II: Pillwein Benedikt, Linz, einst und jetzt. Linz, 1846. S. 241
Quelle III: Gugitz Gustav, Josef II. als Reformator in Linz. Linzer Tages-Post.
1932, 222, 24. 9.
Pillwein Benedikt, Linz, einst und jetzt. Linz, 1846. S. 241
Quelle IV: Pillwein Benedikt, Linz, einst und jetzt. Linz, 1846. S. 241
Quelle V: Pillwein Benedikt, Linz, einst und jetzt. Linz, 1846. S. 241
Quelle VI: Depiny Adalbert, Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz,
1932., S. 22, Nr. 20
aus: Hans Commenda, Sagen in und um Linz, in:
Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 21, 1967, Heft 3/4,
S. 27 - 74.