DAS LINZER STADTWAPPEN

I. Das alte Linzer Stadtwappen zeigt in rotem Feld ein silbernes, gequadertes und zinnengekröntes Stadttor mit weit geöffneten goldenen Torflügeln und einem hochgezogenen goldenen Fallgatter. Zu beiden Seiten des Stadttores erheben sich zwei silberne, gequaderte und zinnenbekrönte Rundtürme mit goldenen Kegeldächern. Über dem Torbogen erscheint ein goldener Dachwalm, darüber der österreichische Bindenschild. Vom geöffneten Tor führt über grünen Grund ein goldener Weg zum blauen Strom.

Das auffällige Vorkommen von Gold als Wappenfarbe erklärt die Sage als Anspielung auf den Reichtum der Linzer Kaufleutebürger und Handelsherren, die in den Gewölben ihrer Häuser rund um den Hauptplatz das Edelmetall häuften. Den goldenen Weg zum Strom hinunter führt das Volk auf einen fürchterlichen Stadtbrand zurück. Damals gingen alle Häuser rings um den Stadtplatz in Flammen auf. Das darin gespeicherte Gold schmolz und rann in breitem Strome durch das Wassertor hinab zur Donau.

II. Der rot-weiß-rote Bindenschild stammt aus dem Mittelfeld des großen österreichischen Wappenschildes und ist das Zeichen einer landesfürstlichen Stadt. Heinrich VI. verlieh 1192 diesen Silberbalken im roten Feld dem Babenberger Herzog Leopold, dem Tugendreichen. Die Sage berichtet, er habe bei der Belagerung von Ptolomais hervorragenden Heldenmut bewiesen. Bei einem Ausfall war sein weißes Panzerhemd bis auf die Stelle, wo das Schwertgehänge es deckte, rot vom Blute der Feinde. Daran erinnert der weiße Streifen im roten Bindenschild.


Quelle I: Depiny Adalbert, Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz, 1932. S. 434, Nr. 451
Quelle II: Pillwein Benedikt, Beschreibung der Provincialhauptstadt Linz. Linz, 1824. S. 10. Die Sagenwelt oder Volkssagen, Erzählungen . . . aus alten und neuen Tagen. Linz 1837.
aus: Hans Commenda, Sagen in und um Linz, in: Oberösterreichische Heimatblätter, Jahrgang 21, 1967, Heft 3/4, S. 27 - 74.