Die Schatzwächter
1.
Wenn man von Klausen nach Latzfons geht, führt der Weg ganz nahe an dem Kloster Säben und dem etwa hundert Schritte davon entfernten Hauptmannschlosse vorbei. Hier soll der Weg vor Jahren nicht geheuer gewesen sein, Gieng man abends nach dem Ave-Marialäuten auf diesem Wege, so erschien oft vor den Füßen des Wanderers eine feurige Kugel und hinderte diesen am Weitergehen. Dieses und anderes soll von den Geistern herrühren, die den großen Schatz bewachen, der hier liegt und der siebenzig Pferdeladungen Goldes beträgt. (Bei Klausen.)
2.
In Lofer [Salzburg] ist ein großer Schatz vergraben und da kommen
die Untersbergermännlein in einem großen Zuge durch einen unterirdischen
Gang in das Schloß, wo der Schatz vergraben ist, und jede Nacht
hört man sie dann beten. Einstmals wollte ein Mann, der gerne den
Schatz gefunden hätte, auf die Zwerge passen und sehen, wie sie dazu
kämen; da lag aber ein großer, magerer Hund vor dem Thor. Der
Mann glaubte, er würde mit demselben schon fertig werden, aber als
er auf den Hund losgehen wollte, schnarrte ihn dieser an, daß er
zu Boden fiel. Unterdessen kamen die Untersbergermännlein herbei
und fragten den Mann, was er da wollte. Wie er nun ihnen antwortete, daß
er hieher gegangen fei, um den Schatz zu bekommen, riethen sie ihm von
seinem Vorhaben ab und der Mann gieng auch für diesmal wieder nach
Hause. Aber als er dann doch noch einmal zu jener Stelle hingieng, fand
er einen Mann vor dem Thore liegen, und als er wieder auf diesen loshauen
wollte, schlug er ihn todt und so blieb der Schatz unbehoben. Jener Mann
geht aber noch immer zu dem Schatze hin. (Bei Fieberbrunn)
Quelle: Sagen aus Tirol, Gesammelt und herausgegeben von Ignaz V. Zingerle, Innsbruck 1891, Nr. 607, S. 342f