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Und trauernd blicken auf dies Grab -
Der jüdische Friedhof in Währing
© Harald Hartmann

Teil 1

weiter zu Teil 2

Aufgrund des Toeleranzpatentes von Josef II mussten alle Friedhöfe ausserhalb des Linienwalles (etwa der heutige Gürtel) liegen. Den Wiener Juden das Areal in Währing zugesprochen, nachdem in Wien der jüdische Friedhof in der Seegasse geschlossen werden musste.

Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Relief über dem Eingang zur Aufbahrungshalle von Josef Kornhäusl
© Harald Hartmann, Juni 2006

Nach der Errichtung des Zentralfriedhofes in Simmering mussten auch die jüdischen Bürger Wiens ihre Toten dort bestatten. Das letzte Begräbnis in Währing fand 1884 statt. 1941 wurde der Friedhof enteignet. Ein Teil des Friedhofes wurde von den Nationalsozialisten zerstört. Es sollte ein Löschwasserteich darauf eingerichtet werden. Dazu kam es nicht mehr. Auf der Grube, die ausgehoben worden war wurde ein Gemeindebau, der Schnitzlerhof errichtet.

Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Jüdisches Grab, im Hintergrund der Schnitzlerhof
© Harald Hartmann, Juni 2006

Der Friedhof konnte über die Zeit des Nationalsozialismus nur dadurch erhalten bleiben, weil ein beherzter Gemeindebeamter das Areal als "Vogelschutzgebiet" und nicht als "Friedhof" auswies. So existieren heute noch 7.000 der ursprünglich 9.500 Gräber.

Ende der 90er Jahre entdeckte man durch Zufall Abschriften fast aller Inschriften, sowie den Originalbauplan des Friedhofes. Heute ist der Friedhof in einem denkbar schlechten Zustand.

Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Herabgefallener Ast auf den Grabsteinen
© Harald Hartmann, Juni 2006

Offene Gruften und morsche Äste, die von den alten Bäumen herabzufallen drohen, gefährden den Besucher. Viele Grabsteine sind aus Mühldorfer Marmor oder Sandstein und daher nicht oder sehr schlecht lesbar. Die Sephardische Abteilung des Friedhofes ist mit seinen besonderen Grabsteinen einzigartig.

Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Sephardischer Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Währing.
© Harald Hartmann, Juni 2006

 

Sephardischer Grabstein, Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Sephardischer Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Währing.
© Harald Hartmann, Juni 2006

Sephardischer Grabstein, Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Sephardischer Grabstein auf dem jüdischen Friedhof Währing.
© Harald Hartmann, Juni 2006

Berühmte Persönlichkeiten, die Wiens Stadtbild und Wirtschaft gestalteten sind auf diesem Friedhof beerdigt:

Grab der Familie Epstein, Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Grab der Familie Epstein auf dem jüdischen Friedhof Währing
© Harald Hartmann, Juni 2006

Grab der Familie Epstein, Jüdischer Friedhof, Wien Währing © Harald Hartmann

Grab des Großhändlers Siegfried Philipp Wertheimer auf dem jüdischen Friedhof Währing
© Harald Hartmann, Juni 2006

Wachsende Wurzeln und Umwelteinflüsse zerstören unwiederbringlich wertvolles Kulturgut. Es ist verwunderlich, dass gerade in einer Stadt, wie Wien, die sich Kultur auf ihre Fahnen geschrieben hat, ein solches Kulturdenkmal ersten Ranges zu verfallen droht. Der Jüdische Friedhof in Währing ist in seiner Einzigartigkeit ein Pendant zum Biedermeierfriedhof St. Marx.

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Quelle: © Harald Hartmann, Juni 2006, nach Ausführungen der Historikerin Mag. Tina Walzer während einer Führung.